Dienstag, 14. Februar 2012, 13:44

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Kino

In der Plattenbausiedlung ist nichts los

"Heimatkunde": Ex-"Titanic"-Chef unterwegs im deutschen Osten

"Bis heute bin ich kein Freund der Bundesrepublik. Ich weiß, was ich an der DDR hatte." Aussagen wie dieser begegnet Martin Sonneborn, Vorsitzender der Partei "Die Partei" und einst Chefredakteur der Satirezeitschrift "Titanic", häufiger, als er sich auf einem insgesamt 250 Kilometer langen Marsch rund um Berlin befindet. 18 Jahre nach der Wiedervereinigung will er herausfinden, ob die Mauer in den Köpfen tatsächlich immer noch existiert und wie die Bewohner des ehemaligen Zonenrandgebiets sich mit den veränderten Lebensrealitäten engagiert haben.

Und so geht es zu Fuß bei Sonne und Regen durch die Wildnis. Mal trifft er Schülerinnen, die sich nicht ganz sicher sind, was die DDR eigentlich war, mal den Pförtner eines Asylantenheims, der behauptet, er wisse erstens nicht, was für ein Gebäude er da bewache und sei zweitens nicht befugt, Auskunft zu geben. Mal lädt sich Sonneborn selbst in den Swimming Pool eines Rentnerpaares ein ("Ich bin seit sechs Tagen unterwegs und habe nicht geduscht"), mal versucht er mit Balkonstehern in einer Plattenbausiedlung in Marzahn ins Gespräch zu kommen: "Sie haben doch Zeit und langweilen sich sowieso." Dann wieder forscht er nach der einzigen Ossi-Familie, die angeblich in einer sonst komplett von Wessis belegten Eigenheimsiedlung zu finden sein soll.

Das hört sich alles einigermaßen lustig an, funktioniert im Film aber meist nicht. Was vor allem daran liegt, dass Sonneborn hier als weitgehend neutraler Beobachter unterwegs ist und es ihm nicht gelingt, wirklich absurde Situationen herzustellen. So verpufft beispielsweise sein halbherziger Versuch, ein antifaschistisches Denkmal mit der Aufstellung von Hundekot-Entsorgungsstationen in Verbindung zu bringen.

Mit Satire - und damit rechnen bei seinem Hintergrund sicher viele Zuschauer - hat das jedenfalls nur selten zu tun. Und der Erkenntnisgewinn bleibt auch übersichtlich. Dass die Ostdeutschen über "hochnäsige Wessis" schimpfen und sich dagegen verwahren, als "Neandertaler" betrachtet zu werden, ist jedenfalls keine Neuigkeit. Und dass Spießigkeit keine Grenzen kennt, auch nicht. Da wäre mehr drin gewesen.hot

 

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