Tödlicher Kampf gegen die Nazis
Polit-Thriller: Ole Christian Madsen erinnert in der Geschichte von "Tage des Zorns" an zwei dänische Widerstandskämpfer
Citron (Mats Mikkelsen) läuft der Schweiß übers Gesicht. Angstschweiß. Citron soll zusammen mit Flame (Thure Lindhardt) einen dänischen Kollaborateur ermorden. Doch er wird die Waffe nicht auf das Opfer richten, ihm fehlt die Kaltblütigkeit seines zehn Jahre jüngeren Gefährten. Citron ist der Fahrer bei diesen Rachefeldzügen gegen die Nazis und ihre dänischen Helfer. Schon in den Eingangsszenen von "Tage des Zorns" ist in Mats Mikkelsens Gesicht der ganze Konflikt der dänischen Untergrundkämpfer abzulesen: auf der einen Seite der Kampf für eine gerechte Sache, auf der anderen kaltblütige Morde an Menschen, deren Verstrickungen mit den Nazis meistens nur aus Dossiers bekannt sind.
Regisseur Ole Christian Madsen ("Kira") hat reale Figuren und Ereignisse für "Tage des Zorns" benutzt. Flame und Citron gehörten 1944 zu den meistgesuchtesten Männern Dänemarks. Diese historischen Fakten liefern eine geeignete Vorlage für einen packenden Thriller. Doch Madsen erzählt diese Geschichte des Widerstands mit großer Ruhe, langen Einstellungen und lässt die Kamera in den Gesichtern lesen. "Tage des Zorns" ist kein Action-Kino, obwohl der Stoff das hergeben würde, sondern eine Reflexion über Gewalt und die Wahl der Mittel.
Was für die beiden Hauptpersonen, von Mikkelsen und Lindhardt herausragend gespielt, im ersten Moment eindeutig aussieht, ändert sich, als Flame auf Horst Ernst Gilbert (Hanns Zischler), den Chef der deutschen Spionageabwehr trifft. Der hochrangige Nazi erweist sich als sympathischer Mann. Er verwickelt Flame in ein Gespräch, das es ihm unmöglich macht, den potenziellen Feind umzubringen. Als dann auch noch die Rolle ihres Auftragsgebers Winthur (Peter Mygind) immer dubioser wird, werden die Zweifel von Citron und Flame an der Richtigkeit ihrer Mission immer größer. Als Flame dann auch noch die undurchsichtige Doppelagentin Ketty Selmer (Stine Stengade) kennenlernt und sich in sie verliebt, kommt es zu weiteren Verwicklungen. Ketty behauptet, dass Gilbert ebenfalls zum Untergrund gehört. Als Flame dann den Auftrag erhält, die eigene Geliebte zu töten, sind er und sein Partner Citron in ein solches Netz von Verrat und Misstrauen verstrickt, dass sie niemand mehr trauen können. Sie müssen einen eigenen Weg gehen, um gegen die verhassten deutschen Besatzer zu kämpfen.
Gerade das Intrigenspiel, in dem auch der deutsche Gestapochef Hoffmann (Christian Berkel) eine wichtige Rolle einnimmt, hält die Spannung von "Tage des Zorns" bis zu den letzten Einstellungen hoch. Wer outet sich als der nächste Verräter? Wer verfolgt welche Interessen und in welchem Auftrag? Diese Fragen machen den "thrill" von Madsens starkem Film aus, aber genauso ernst nimmt "Tage des Zorns" die Auseinandersetzung mit den Verheerungen der Gewalt, die hier angerichtet werden. Die Frage nach dem Gut und Böse wird gestellt, aber sie kann nicht eindeutig beantwortet werden. Auch wenn Citron und Flame nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Helden geehrt werden, zeigt Madsen sie als zutiefst zerrissene Figuren.



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