Dienstag, 14. Februar 2012, 10:20

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kino

Laut - oder lieber leise?

Einst verstand er sich als Revolutionär, heute braucht er einfach Geld: Jean-Pierre Léaud ist Der Pornograph

Fast ein Dejà-vu, wenn man die französische Kino-Ikone Jean-Pierre Leaud in seiner neuesten Rolle sieht. In einem Film, der mehr Konzept ist als Drama, der um gesellschaftliche Ideale ringt und mit dem Rückzug in das Private. Ganz ähnlich wie die Filme von Truffaut und Godard, die Leaud einst berühmt machten.

"Der Pornograph" ist auf seine Art die konsequente Weiterführung dieser Ideen - aber mit umgekehrten Vorzeichen. Er ist ein Abgesang auf die Ideale der 68er, verpackt in die Geschichte eines gealterten Porno-Regisseurs, der von Geldnöten getrieben, noch einmal in die Branche zurückkehrt.

In den 70ern war Jaques Laurent (Leaud) eine subversive Größe, der die Pornographie als politische Handlung begriff und durch unkonventionelle Regieeinfälle glänzte. 30 Jahre später will niemand mehr etwas von ihnen wissen, am wenigsten der Produzent. "Du musst nicht laut sein", weist Laurent seine Hauptdarstellerin an, "Jenny, bist du tot? Ich höre dich nicht!", schreit der Produzent dazwischen, und die Aktrice verfällt in orgiastisches Stöhnen.

Die Dreharbeiten sind ein Desaster, Laurents Selbstverständnis bröckelt, seine Ehe auch. Einziger Lichtblick ist sein Sohn Joseph (Jeremie Renier), der nach Jahren der Entfremdung plötzlich die Nähe des Vaters sucht. Enttäuscht von den mangelnden Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung, hat er sich in Schweigen gehüllt. Verweigerung statt Umwälzung - und am Ende steht desillusioniert der Rückzug in die private Idylle.

Bertrand Bonellos Film ist schwer verdauliches Kunstkino mit faszinierenden Momenten und überraschenden Bildern, ein cineastisches Theorem, das mit Tabus und Konzepten hadert. Angenehm kopflastig, aber auch ermüdend lang.

Der Pornograph Frankreich 2001, 108 Min., ab 16 Jahren, R: Bertrand Bonello, D: Jean-Pierre Leaud, Jeremie Renier, Dominique Blanc, Thibault de Montalembert, täglich im 3001 (OmU); Infos im Internet: www.alamodefilm.de

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus