Leben wie ein Überflieger
Drama: Das tschechische Kleinod "Leergut" zeigt sehr amüsant einen Weg des Alterns
Manch einer freut sich auf den Ruhestand, andere wissen mit ihm nichts anzufangen. So auch Josef "Beppo" Weberknecht, der - nachdem seine Lehrerlaufbahn beendet ist - dem heimischen Wohnzimmer gleich wieder zu entfliehen versucht. Denn Beppo (Zdenek Sverak, Vater des Regisseurs Jan Sverak) will sich noch längst nicht aufs Altenteil zurückziehen und seiner Frau Eliska (Daniela Kolarova) beim Staubsaugen und Seifenopernschauen zusehen. Nach einer missglückten Karriere als Fahrradkurier landet er im Supermarkt an der Rückgabetheke für Pfandflaschen. Josef blüht auf, flirtet mit hübschen jungen Frauen und kümmert sich um Gebrechliche, während Eliska allein zu Hause sitzt und dem lang ersehnten gemeinsamen Lebensabend hinterhertrauert. "Du fürchtest dich davor, mit mir zu Hause zu bleiben. Den ganzen Tag eine alte Frau anschauen zu müssen", wirft sie ihm an den Kopf, und das trifft es genau.
Kulturclips
Mit ,,Leergut" vollendet der tschechische Regisseur Jan Sverak seine "Trilogie der Lebensalter". Nach der Kindheit in "Elementary School" (1991) und dem Erwachsenwerden ("Kolja", 1997, Oscar-prämiert) sind seine Protagonisten in ihrem letzten Lebensabschnitt angekommen. In seiner Heimat brach "Leergut" mit einer Million Zuschauer (bei zehn Millionen Tschechen!) sämtliche Rekorde und avancierte zum erfolgreichsten tschechischen Film aller Zeiten, beim Filmfest Hamburg gewann er den Publikumspreis.
Sverak hat einen überaus komischen und dabei gefühlvollen Film über das Älterwerden gedreht, der dem Thema "Alter Mann will nicht alt werden" ein paar hübsche Facetten abgewinnt. Dank seines kauzigen Helden menschelt es in "Leergut" nicht übertrieben; der Film bringt eine schöne Mischung aus Ironie und Wärme hervor. Er lebt vom seinem Mut zum so gar nicht Perfekten, was für die Figuren wie für die Erzählweise gilt. Sverak enthält sich meist moralischer Wertungen und beobachtet seine Figuren mehr, als dass er sie für ihre Schrullen verurteilt.
"Leergut" stellt die Frage: "Wie will ich leben?", und es ist ein schöner und ungewöhnlicher Ansatz, diese Frage mit einer Hauptfigur im Rentenalter zu beleuchten statt mit einer, die gerade erwachsen wird. Dass darauf jeder seine eigene Antwort finden muss, das ist dann zwar nichts Neues, aber man hat gern zugesehen.



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