Dienstag, 14. Februar 2012, 20:43

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Kino

Interview

"Ich mag Filme, die emotional sind"

Jan Sverak: ("Leergut") über das Älterwerden, die Arbeit mit seinem höchst eigensinnigen Vater und Gefühle auf der Leinwand

Die Hauptrolle des 65 Jahre alten Lehrers Josef spielt Ihr Vater, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Wie autobiografisch ist "Leergut"?

Jan Sverak:

"Leergut" kreist um Dinge, die er in den letzten Jahren erlebt hat, auch Dinge, die sich zwischen ihm und meiner Mutter abgespielt haben. Wir waren beide etwas nervös, als wir meiner Mutter das Drehbuch gezeigt haben, weil wir nicht wussten, wie sie darauf reagiert. Zum Glück war sie viel entspannter, als wir gedacht haben.



Was hat Sie am Thema Älterwerden interessiert?

Sverak:

Ich habe mich gefragt: Wie geht man damit um, wenn der Tod kein abstraktes Ereignis mehr ist, sondern in absehbarer Zeit bevorsteht? Und wie kommt man damit klar, dass man geistig noch derselbe Mensch ist wie vor 20 Jahren, aber für die Gesellschaft praktisch nutzlos geworden ist? Man muss eine starke Persönlichkeit sein, um nicht ständig daran zu denken und trotzdem glücklich zu sein. Das erfordert enorm viel Mut.



Ist es schwierig, mit dem eigenen Vater zu arbeiten?

Sverak:

Ich arbeite gern mit meinem Vater. Wenn man sich so nahe steht wie wir, muss man nicht viel Herumreden, was nicht heißt, dass wir uns nicht streiten. Über das Drehbuch haben wir viel diskutiert, weil mein Vater alle Szenen sehr ausführlich schreibt. Ich mag es lieber, wenn man schnell auf den Punkt kommt und Pointen nicht unnötig lang vorbereitet.



Es ist das erste Mal in Ihren Filmen, dass eine Frau einen größeren Part hat: Josefs Frau Eliska. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Sverak:

Anfangs war Eliska als Randfigur angelegt. Aber dann haben wir gemerkt, dass es der Hauptfigur gut tut, wenn man mehr über sie und ihren familiären Hintergrund weiß. Nur so kann man verstehen, warum Josef sich weigert, zu Hause zu bleiben. Man bekommt eine Ahnung davon, wie sich eine Beziehung entwickelt, wenn man 40 Jahre lang verheiratet ist.



Der Zuschauer fühlt außerdem mit Eliska.

Sverak:

Ja, ungefähr nach der Hälfte des Films versteht man, warum sie verbittert ist. Sie hat sich darauf gefreut, dass ihr Mann in Rente geht und sie Zeit füreinander haben, vielleicht zusammen verreisen. Aber er will dieses Leben nicht führen.



Die emotionale Ebene ist in Ihren Filmen immer sehr ausgeprägt.

Sverak:

Ich mag Filme, die emotional sind. Wenn ich Leuten erzählt habe, worum es in "Kolja" geht, habe ich jedes Mal gespürt, wie sich mir der Hals zuschnürt. Weil es mich so berührt hat. Dieses Gefühl versuche ich auf die Leinwand zu bringen.


Interview: Karolin Jacquemain

 

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