Dienstag, 14. Februar 2012, 15:08

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Kino

Wenn Angst die Seele zerfrisst

DRAMA: "Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage" ist eine existenzielle Tragödie, die tief unter die Haut geht

Irgendwo in Rumänien am Ende der Ceausescu-Ära: Die kleine Stadt, in der die Studentinnen Gabita (Laura Vasiliu) und Otilia (Anamaria Marinca) leben, ist so grau wie der Alltag der Menschen. An den Gebäuden blättert die Farbe ab, wer einkaufen will, muss stundenlang anstehen oder sich auf dem Schwarzmarkt versorgen. Doch die beiden Frauen bewegt in dieser Situation nicht die Sehnsucht nach Parfüm oder anderen Luxusartikeln: Gabita ist schwanger - und Abtreibung in Rumänien streng verboten, weshalb ihre Freundin einen "Engelmacher" (Vlad Ivanov) organisiert hat, der in einem unter größten Schwierigkeiten angemieteten Hotelzimmer den illegalen Abbruch vornehmen soll. Als der grobe Mittvierziger jedoch erfährt, dass Gabita sich bereits im fünften Monat befindet, verlangt er von den Frauen wegen des "höheren Risikos" Sex. Versuche, ihn umzustimmen, jedes finanzielle Angebot und jedes Flehen prallen an ihm ab, den Frauen bleibt keine Wahl. Im Anschluss wird bei der Schwangeren eine Fehlgeburt eingeleitet. Einsam und verstört liegt sie auf dem Hotelbett und wartet auf den Abgang des Fötus, während Otilia zu einer Geburtstagsfeier eilt und sich nicht anmerken lassen darf, was in ihr vorgeht.

Regisseur Cristian Mungiu hat mit seinem existenziellen Drama nicht nur in Cannes die Goldene Palme gewonnen; der Film wurde auch für den Europäischen Filmpreis nominiert. Zu Recht, denn "Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage" gehört zum Intensivsten und Erschütterndsten, was in den vergangenen Jahren im Kino zu sehen war. Lange, statische Einstellungen, bei denen man bisweilen die Augen schließen möchte, sind ebenso unvergesslich wie Mungius Lichtdramaturgie. Schummrig ist es, in der Nacht auf den Straßen auch stockdunkel. Da wird jeder Laut, der nicht zuzuordnen ist, zum Zeichen potenzieller Gefahren, sind Unsicherheit und Angst ständige Begleiter. Und dann die Hauptdarstellerinnen: Ihre Verzweiflung ist mit Händen zu greifen, aber auch ihre fast schon naive Hoffnung, diese schrecklichen Tage irgendwie zu überstehen und später nie wieder über das Geschehene nachdenken zu müssen.

"Geschichten aus einem goldenen Zeitalter" hat der Regisseur ein Projekt genannt, dessen erster Teil "Vier Monate . . ." ist. Ein sarkastisch anmutender Titel, der, wenn er im Abspann erscheint, die Wirkung des Gesehenen noch verstärkt. Und der mit einer Mischung aus Neugier und Unbehagen auf die Fortsetzung warten lässt.

>> Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage Rumänien 2007, 113 Min., ab 16 J., R. Cristian Mungiu, D: Laura Vasiliu, Anamaria Marinca, Vlad Ivanov, im 3001, Holi; Infos im Internet: www.4months3weksand2days.com

 

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