Dienstag, 14. Februar 2012, 16:50

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Kino

Wenn der Terrorist im Trend liegt

Christopher Roth zeigt Baader als Popikone und Diktator - aber sonst nicht viel Neues

Baader goes Prada ist Trend. Illustrierte zeigen Fotostrecken, auf denen sich Models in T-Shirts mit dem fünfzackigen Terroremblem in revolutionäre Pose werfen. Von der historischen Dimension ist nur eine mediale Oberfläche übrig, frei zum Spiel der Popkultur. Zuletzt haben sich Christian Petzold ("Die innere Sicherheit") und Andres Veiel ("Black Box BRD") an eine Bewältigung der deutscher Geschichte gewagt, jetzt kommt Christopher Roth mit "Baader" als Popikone. Auch Roth ist, wie sein Koautor Moritz von Uslar, ein Spätgeborener, der den "deutschen Herbst" distanziert und gleichwohl fasziniert betrachtet. Mit historischen Fakten hält er sich nicht auf, sondern arbeitet sich an der glamourösen Seite des Terrors ab. Dafür bedient er sich der schillerndsten aller RAF-Figuren, des Anführers, Autoknackers, und Kaufhaus-Brandstifters Andreas Baader. Der trug die coolsten Sonnenbrillen und wusste die heißesten Bräute für das karge Leben im Untergrund zu begeistern. Bei Frank Giering verkommt der Guerillakrieger allerdings zu einem dicklichen, selbstverliebten Diktator, der lieber über BMWs als über Marx doziert und sowieso am liebsten Micky-Maus-Hefte liest. Das Design bestimmt das Sein. Schön gestylt kommt auch die obsessive Liebe des Kommunardenpaars Baader und Gudrun Ensslin - Laura Tonke als Abhängige von fragiler Brutalität - daher. Die schwierige Dreiecksbeziehung mit Ulrike Meinhof wird nur angedeutet. Die weiblichen RAF-Mitglieder zeigt Roth lieber als barbusige Sonnenanbeterinnen im Terroristenkamp in Jordanien. Am Ende scheitert Baader nicht im Gefängnis, er stirbt - in eindrucksvoller Pose im Slow-Motion-Kugelhagel. In einem dramaturgisch immerhin gelungenen Schachzug etabliert Roth BKA-Chef Kurt Krone, ein deutlich als Horst Herold erkennbarer Vadim Glowna, als Gegenspieler. Der Polizist mit der Vorliebe für Rasterfahndungen hatte wohl auch Sympathien für die Dialektik und den smarten Revolutionär. "Baader" ist nichts für puristische Linke, aber da Kunst alles darf, ist dem Film Geschichtsfälschung nicht vorzuwerfen. Auch die Koketterie mit dem Che-Guevara-Schick ist nicht neu. Schal bleibt das Verharren in einer unschlüssigen Mischung aus Wahrheit und Stilisierung. Und die blutleeren Dialoge rettet auch die Tonspur von Can bis Trans Am nicht mehr. INES DEFOE

Baader D 2002, 109 Minuten, ab 12 Jahren, R: Christopher Roth, D: Frank Giering, Laura Tonke, Vadim Glowna, Birge Schade, täglich im Abaton, Studio, UFA-Palast

 

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