Supermarkt der Eitelkeiten
KOMÖDIE: In "Shoppen" führt Regisseur und Drehbuchautor Ralf Westhoff das Thema Speed-Dating und Singles der Großstadt herrlich ad absurdum
Susanne (Anna Böger), eine dunkelblonde Mittdreißigerin mit bayerischem Akzent, weiß genau, wie ersein soll: "Zuverlässig, schlank, hilfsbereit, eloquent, muss immer Zeit für mich haben, und außerdem soll er eifersüchtig sein und tolerant." Schnitt. Falk (Christian Pfeil) sucht "die einzige wahre Liebe", "ist ungern Zweiter" und führt vor dem Spiegel Selbstgespräche. Schnitt. Jule (Anja Klawun) genießt eine professionelle Massage als "ersten netten Körperkontakt des 21. Jahrhunderts". Schnitt. Auch Thorsten (Matthias Bundschuh) hat in dieser Hinsicht Mangel - der Controller arbeitet halt gern. Und Mediha (Mediha Cetin) sagt auf der Straße zu Fremden einfach mal "Hallo", da sie doch in München noch niemanden kennt.
Wie das Leben in "Shoppen" so spielt, begegnen einem nach und nach 18 Charaktere, neun Frauen und Männer von Ende 20 bis Ende 30. Großstadt-Singles. Das ist schon irgendwie komisch, wird indes noch komischer: Beim Speed-Dating hoffen sie, ihr gewünschtes Pendant zu finden - in einer Art zwischenmenschlicher Fünf-Minuten-Terrine. Wenn sich Weiblein und Männlein Stuhl an Stuhl in einem kahlen Saal duellgleich gegenübersitzen, bleiben ihnen nur 300 Sekunden, einander kennenzulernen, dann ist sprichwörtlich Abpfiff. Ring frei zur nächsten Runde! Thorsten, der Penible, fragt mit Checkliste bei allen Kandidatinnen (fast) alles ab - vom Beruf bis zur Katzenhaarallergie. Konsumverhalten, fruchtbare und unfruchtbare Tage, Schnäppchen oder Designerstück, all das macht das Ensemble zum kleinen großen Schauspielerkino. Im dritten Akt dann skizziert Ralf Westhoff, was beim Pärchensuchen und -finden alles (falsch) läuft.
Westhoff, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, ist mit seinem Kinodebüt ein unkonventionell-komischer Blick hinter die Großstadtfassade gelungen. Dem vermeintlich ausgelutschten Thema Partnersuche gewinnt der Spielfilmneuling dank frecher und lebensnaher Dialoge neue Seiten ab, indem er die Zeitgeisterscheinung Speed-Dating ad absurdum führt. Einziges Problemchen für Zuschauer: Er oder sie muss sich gleich mit 18 Hauptdarstellern anfreunden.
Dennoch: Mit "Shoppen", das bereits im Herbst bei den Hofer Filmtagen vom Publikum gefeiert wurde, weht auch im deutschen Film-Frühling 2007 eine frische Brise. Ob nun für fröhliche Singles, frustrierte Singles oder sogar für Paare . . .
>> Shoppen D 2006, 91 Min., o. A., R: Ralf Westhoff, D: David Baalcke, Anna Böger, Matth. Bundschuh u. a., im Abaton, Passage, Zeise; www.x-verleih.de



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