Dienstag, 22. Mai 2012, 16:02

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Kino

Verloren in den Ruinen Berlins

NACHKRIEGSDRAMA: In "The Good German" verzettelt sich Regisseur Steven Soderbergh trotz seines Staraufgebots mit der komplexen Handlung in Studiokulissen [Trailer, Bildergalerie]

Berlin ist kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein ziemliches Durcheinander. In der in Trümmern liegenden Hauptstadt versuchen Einheimische, Kriegsheimkehrer und Alliierte den Alltag erträglich zu gestalten. In diese Ruinenlandschaft kehrt US-Kriegskorrespondent Jake Geismer (George Clooney) zurück, der die Stadt noch aus Vorkriegszeiten kennt, um über die Potsdamer Friedenskonferenz zu berichten. Sein Fahrer Tully (Tobey Maguire) entpuppt sich als Kleingangster, der nicht nur mit allem und jedem Schwarzhandel betreibt, sondern auch noch mit der Deutschen Lena Brandt (Cate Blanchett) liiert ist, Geismers früherer Freundin. Das gefällt ihm ebenso wenig wie Lenas Zustand. Sie ist desillusioniert, arbeitet als Prostituierte und trägt ein Geheimnis mit sich herum. Trotzdem macht ihr Geismer wieder Avancen.

Tully wird kurz darauf in der russischen Zone ermordet aufgefunden. Er trägt 100 000 Mark aus Schiebergeschäften bei sich. Geismer beginnt Nachforschungen anzustellen, merkt aber schnell, dass weder auf russischer noch auf amerikanischer Seite die Autoritäten brennend an der Aufklärung des Verbrechens interessiert sind. Stattdessen zeigen alle Seiten großes Interesse an Lena, denn ihr angeblich gestorbener Mann Emil (Christian Oliver) war einer der führenden Raketenforscher der Nazis.

Mit "The Good German" hat der vielseitige amerikanische Regisseur Steven Soderbergh versucht, den Roman "In den Ruinen von Berlin" von Joseph Kanon zu verfilmen. Das war offenbar eine ebenso schwierige wie reizvolle Aufgabe. Das Buch war komplex, der Zeitgeist ebenso. Anstatt Frieden brach ein neuer, wenn auch "nur" der Kalte Krieg aus. Hinter den Kulissen tobte längst der Kampf um die führenden Köpfe von Hitlers Rüstungsindustrie. Das ist nicht eben einfach zu erzählen, auch nicht, wenn man Geschichtsverständnis der Zuschauer voraussetzt.

Soderbergh verzettelt sich. Dabei hat er diese Geschichte in schöne schwarz-weiße Bilder gepackt, mit denen er seinen Tribut an die Filme der Serie noir zollt. Allerdings sehen einige der auf dem Studiogelände in Los Angeles entstandenen Aufnahmen, z. B. die Back Projection bei der Jeep-Fahrt von Clooney und Maguire, lächerlich billig aus. Als gravierendes Problem erweist sich auch, dass der Film dreimal die Erzählperspektive wechselt. Da wird es dann auch mit einer so hochkarätigen Besetzung schwer.

Zu den bekannten Kollegen gesellt sich Christian Oliver ("Alarm für Cobra 11"), der hier zu einer kleinen, wenn auch gleich zur Titelrolle in seiner ersten großen internationalen Kinoproduktion kommt. Als Produzent und Hauptdarsteller hatte der Deutsche mit Wohnsitz Los Angeles schon zwei eigene Independent-Filme realisiert und mit "Subject Two" beim Sundance Festival gleich einen Preis gewonnen.

>> The Good German - In den Ruinen von Berlin USA 2006, 108 Minuten, ab 12 Jahren, R: Steven Soderbergh, D: George Clooney, Cate Blanchett, Tobey Maguire, Beau Bridges, Christian Oliver, täglich im Abaton, Blankeneser, Cinemaxx.

weitere Rezensionen im Internet: www.hamburg-live.de/go/film

 

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