18 neue Blicke auf Paris
EPISODENFILM: Große Regisseure haben eine große Liebeserklärung inszeniert: "Paris, je t'aime" kommt ohne Klischees aus
Eiffelturm, Notre-Dame, Triumphbogen, Champs Élysees, die Seine - man kennt sie zur Genüge, diese Postkartenmotive, die zu Klischees erstarrt sind. Dass Paris auch anders zu entdecken ist, mit Bildern, die noch keine Gebrauchsspuren aufweisen, zeigt der Episodenfilm "Paris, je t'aime" unter Schirmherrschaft des Produzenten Emmanuel Benbihy.
Benbihy bat 21 namhafte Regisseure - unter ihnen die Coen-Brüder, Gus van Sant, Isabell Coixet, Walter Salles, Alexander Payne und Sylvain Chomet -, einen kurzen Film, höchstens sieben Minuten lang, zu drehen. Im Mittelpunkt: die Liebe - aber auch Paris, das die eigentliche Hauptdarstellerin dieses Films ist. So entstanden in 18 Arrondissements, deren Namen die einzelnen Kurzfilme überschreiben, 18 Episoden: traurig oder komisch, dramatisch oder leichtfüßig, romantisch oder schrullig.
Doch welche Episode herauspicken, wo beginnen? Vielleicht mit Steve Buscemi, der unter der Regie von Joel und Ethan Coen in "Tuileries" einen furchtsamen US-Touristen spielt. Leider hält er sich nicht an seinen Stadtführer, der vom langen Blickkontakt mit schönen Pariserinnen abrät. Die Folgen sind schmerzhaft . . .
In "Quais de Seine" von Churinder Chadhas ("Kick it Like Beckham") lernt der junge François ein muslimisches Mädchen kennen. Ein Interesse, das viel Konfliktpotenzial zu bergen scheint. Weil seine Freunde nur dumme Sprüche klopfen, lässt er es einfach laufen. Doch manchmal gibt es eine zweite Liebes-Chance - erst recht in Paris.
In "Place des Fetes" begegnet Hassan (Seydou Boro) mehrmals flüchtig der Sanitäterin Sophie (Aissan Maiga). Doch erst, als er nach einer Messerattacke sterbend auf einer Krankentrage liegt, kann er ihr seine Liebe gestehen.
Und dann ist da noch Juliette Binoche als trauernde Mutter, die von einem Cowboy (Willem Dafoe), natürlich hoch zu Pferd, wegen des Todes ihres Sohnes getröstet wird.
Vier Episoden von 18. Sicher sind sie nicht alle auf gleich hohem künstlerischen Niveau, und vielleicht hat man die eine oder andere rasch vergessen. Wie dem auch sei: Dieser kollektive Liebesbrief an Paris und die Liebe eignet sich bestens für ein erstes Rendezvous. Oder auch ein zweites.
>> Paris, je t'aime F/CH/D/FL 2006, 120 Min., ab 12 J., R: Bruno Podalydes, Tom Tykwer u. a., D: Juliette Binoche, Natalie Portman, Nick Nolte, Steve Buscemi u. a., im Abaton, Koralle, Studio-Kino



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