Dienstag, 14. Februar 2012, 20:09

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Kino

Das Brett vorm Kopf

Die Verfilmung des Nabokov-Romans Lushins Verteidigung überzeugt dank der Schauspieler John Turturro und Emily Watson

Schachfilme sind ein kompliziertes Genre. Das Sujet ist reizvoll, die Umsetzung schwierig. Das diffizile Spiel selbst kann keine Hauptrolle spielen. Also gerät der Schachspieler in den Mittelpunkt. Losgelöst vom Brett, wird er zum Teil der realen Welt, in der für ihn meistens ein Platz als Karikatur reserviert ist. Die bevorzugten Alternativen im Film lauten: Superhirn oder Kauz an der Grenze zum Wahnsinn. Die niederländische Regisseurin Marleen Gorris ("Antonias Welt") hat es sich besonders schwer gemacht, indem sie Vladimir Nabokovs Roman "Lushins Verteidigung" verfilmte. Das Buch erzählt von einem menschenscheuen Jungen, der das Schachspiel entdeckt und damit für die Welt verloren scheint. Erst die Liebe einer Frau befreit ihn vorübergehend aus seinem selbst gewählten Gefängnis. Die Eröffnung, die Marleen Gorris für ihre Partie mit Nabokovs komplexem Roman gewählt hat, lässt wenig Gutes erwarten. Die Regisseurin schwelgt in verblühenden Belle-Epoque-Dekors. Bevor sich ein reiner Ausstattungsfilm entwickelt, treten aus dem Ornament zwei fantastische Darsteller hervor. John Turturro spielt Lushin als selbstvergessenen Mann, der sich in Park und Hotel bewegt, als schlafwandele er - bis Natalia (Emily Watson), Tochter russischer Emigranten, ihn quasi aufweckt. Die beiden werden ein Paar, das weder von Natalias Eltern noch von Lushins diabolischem Mentor zu trennen ist. Doch Lushin bleibt ein Gefangener des Schachspiels. Ein letztes Opfer beendet seine Partie. Was bleibt, ist ein posthumer Triumph - der Verlierer im Leben siegt am Schachbrett. Doch das steht schon nicht mehr bei Nabokov. LUTZ WENDLER . Lushins Verteidigung USA 2000 112 Min., R: Marleen Gorris, D: John Turturro, Emily Watson, Geraldine James, Stuart Wilson, Christopher Thompson, täglich im Neuen Broadway; Infos im Internet: www. sonyclassics.com

 

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