Dienstag, 14. Februar 2012, 13:44

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kino

Der Wahnsinn, die Liebe, die Schönheit

MELODRAM: Romantisch, schaurig und in einer rein künstlichen Welt angesiedelt: "The Pianotuner Of Earthquakes" ist ein Film voller Pathos und liebevoller Details

Ein dramatischer Auftakt: die Opernsängerin Malvina van Stille (Amira Casar, zuletzt in "Malen oder Lieben" zu sehen) stirbt auf der Bühne - das Werk des verrückten Erfinders Dr. Emmanuel Droz (Gottfried John), der getrieben wird von Eifersucht, denn Malvina steht kurz vor der Hochzeit mit Adolfo (Cesar Sarachu). Auf seltsame Weise wiederbelebt, erwacht Malvina in Droz' Sanatorium, wo sie bald dem neu angekommenen Klavierstimmer Filesberto (ebenfalls Sarachu) begegnet, der sie an ihren Bräutigam erinnert.

Mit ihren animierten Kurzfilmen haben sich die britischen Zwillingsbrüder Stephen und Timothy Quay einen Namen gemacht, düstere Fabeln, deren literarischer Ahne Edgar Allan Poe und deren filmischer Vorfahre der tschechische Animator und Surrealist Jan Svankmajer sind. Auch ihr zweiter Spielfilm, zehn Jahre nach dem Erstling "Institut Benjamenta" (der seinerzeit seine deutsche Premiere beim Filmfest Hamburg hatte, aber trotz deutscher Koproduktion hierzulande ohne Verleih blieb), ist ein ähnlich sperriges Stück Kino, das Motive der Romantik, vor allem den Doppelgänger, ebenso aufgreift wie das klassische Schauergeschichtenmotiv des genialen, aber wahnsinnigen Erfinders und dessen unerwiderter Liebe zu einer schönen Frau. Auch wenn der Anfang wie eine Variante des "Phantoms der Oper" anmutet, ist "The Pianotuner Of Earthquakes" doch das diametrale Gegenteil von der einschmeichelnden Art, mit der Andrew Lloyd Webber sein Publikum verwöhnt. Die Quay Brothers bevorzugen Tableaus zur Darstellung ihrer durch und durch künstlichen Welten (der Film wurde komplett im Studio gedreht), die durch das Pathos des Sprechens noch akzentuiert werden - zumal Gottfried John spricht mit ähnlicher Distanziertheit wie einst in seinen Fassbinder-Rollen. Das getragene Tempo, das eine geradlinige Handlung zugunsten einer verzauberten Stimmung vernachlässigt, erfordert jedenfalls die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers. Dessen Sehvergnügen speist sich deshalb nicht selten aus Droz' bizarren Maschinen, die die Quay Brothers mit liebevoller Detailgenauigkeit gestaltet haben.

>> The Pianotuner Of Earthquakes England/Deutschland/Frankreich 2005, 99 Minuten, ab 12 Jahren, R: Brothers Quay, D: Amira Casar, Gottfried John, Cesar Sarachu, Assumpta Serna, täglich vom 1. bis 5.12. im 3001 (OmU); www.pifflmedien.de und www.3001-kino.de

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus