Der alte Mann, das Mädchen und die Welt jenseits des Bootes
"Hwal - Der Bogen" erzählt eine Geschichte fast nur mit Gesten
Wer Kim Ki-duks "Seom - Die Insel" gesehen hat, jenen Film, der deutsche Kinogänger vor vier Jahren erstmals mit dem Werk des südkoreanischen Regisseurs bekannt machte, wird unwillkürlich zusammenzucken, wenn er in seinem neuen Film Angelhaken sieht. Denn die werden ihn an eine ebenso eindringliche wie gewalttätige Szene in dem früheren Film erinnern. Poesie und Gewalt lagen bei diesem Filmemacher immer nah beieinander, auch wenn diesmal, wie schon in seinem vorherigen Film "Bin Yip - Leere Räume", die Poesie dominiert, auch weil die Geschichte in Gesten erzählt wird und die Dialoge sich an einer Hand abzählen lassen.
Einziger Schauplatz ist ein Fischkutter, mit dem ein alter Mann Hobbyangler auf See hinausfährt. Machen diese eine vorlaute Bemerkung oder werden sogar zudringlich gegenüber dem jungen Mädchen, das sich an Bord befindet, dann richtet der Alte seinen Bogen auf sie und feuert Pfeile ab. Nachts jedoch verwandelt sich der Bogen in einen Klangkörper, dem der Alte die schönsten Töne entlockt - ein Werben um das Mädchen, das er vor zehn Jahren aufgenommen hat und das er in Kürze, an ihrem 17. Geburtstag, heiraten wird. Doch als eines Tages ein junger Student an Bord kommt, der dem Mädchen einen Walkman gibt, begreift diese, daß es auch noch eine andere Welt jenseits des Bootes gibt. In der Nacht legt sie, die in einem Moment verführerische Lolita, im anderen traurige Gefangene ist, sich zu dem Jungen - doch sofort ist der Alte zur Stelle. Er läßt sich später auch nicht irritieren durch die Bemerkung des Jungen, ihre Eltern würden nach dem Mädchen suchen. Der Hochzeitstag ist auf dem Kalender vermerkt, jeden Abend wird der vergangene Tag sauber ausgestrichen.
Das Ende fügt dem nüchternen Duktus des Films eine phantastische Ebene hinzu, ein Pfeil wird abgefeuert und trifft ins ferne Ziel, zwei Körper vereinigen sich, obwohl doch nur einer zu sehen ist - für seine Magie braucht Kim Ki-duk, anders als "Fluch der Karibik 2", keine aufwendigen Spezialeffekte.
Hwal - Der Bogen Südkorea 2005, 90 Min., ab 12 J., R: Kim Ki-duk, D: Jeon Sung-Hwan, Han Yeo-Reum, Seo Ji-Seok, tägl. im 3001 (OmU).



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