Dienstag, 14. Februar 2012, 17:22

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Kino

Tradition und Moderne

Thema Beschneidung: "Moolaadé" erzählt von einer starken Frau

Es passiert nicht gerade oft, daß Filme aus Schwarzafrika in deutsche Kinos gelangen. Zu exotisch wirken sie auf die Zuschauer, zu völkerkundlich, manchmal auch zu didaktisch. Auch Ousmane Sembène, der große alte Mann des senegalesischen Kinos, scheint auf den ersten Blick mit seinem neuen Film in diese Falle zu tappen. "Ich bin meinerseits ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Abschaffung der Beschneidung. Schon immer", wird der Regisseur im Presseheft zitiert. Gemeint ist die rituelle Beschneidung junger Mädchen, gegen die "Moolaade" ausdrücklich plädiert. Doch so einfach macht es uns Sembène nicht. Sein Film ist kein einseitiges Pamphlet, sondern die schillernde, farbenfrohe Schilderung eines Dorfes zwischen Tradition und Moderne, zwischen alten Geschlechterrollen und Emanzipation der Frau.

Vier junge Mädchen sind am Vorabend ihrer Beschneidung zu Colle (Fatoumata Coulibaly) geflüchtet, auf der Suche nach Schutz. Colle ist eine starke, eigensinnige Frau, die schon ihre eigene Tochter vor der Beschneidung bewahrte. Nun spannt sie kurzentschlossen ein buntes Seil über die Schwelle der Hoftür und spricht einen Moolaade, einen Bann, aus: Niemand darf die Schwelle überschreiten. Haus und Hof sind zum unantastbaren Schutzraum geworden. Und so müssen die Beschneiderinnen, deren rote Gewänder schon von weitem auf ihre blutige Tätigkeit verweisen, unverrichteter Dinge wieder abziehen. Das wiederum ruft die Männer des Ältestenrats auf den Plan. Sie sehen die Ruhe im Dorf gefährdet. Doch Colle bleibt stur - auch als die Hochzeit ihrer Tochter zu platzen droht.

Damit verwoben sind die Geschichten des Sohnes des Dorfoberhauptes, der als gemachter Mann aus Paris zurückkehrt, und des Händlers, der die hohen Brotpreise selbstbewußt mit der Globalisierung rechtfertigt. Voller Humor sind diese Vignetten, die auch von der allmählichen Modernisierung des Dorfes zeugen.

In ihrer Hilflosigkeit glauben die Ältesten, daß das Radio die Frauen aufwiegele. Und so landen immer mehr Radios auf einem Haufen, bis sie jemand anzündet. Beklemmend hingegen, wie Cisre, Colles Mann, seine Frau öffentlich auspeitscht, um sie zur Umkehr zu bewegen. Doch Colle bleibt standhaft; sie ist die Stärkere.

Keine Frage, wem im Kino von Sembène die Sympathie gehört.

Moolaade Senegal / Frankreich /Burkina Faso / Marokko / Kamerun/ Tunesien 2005, 124 Minuten, ab 12 Jahren, R: Ousmane Sembène, D: Fatoumata Coulibaly, Maimouna Helène Diarra, Salimata Traore, Dominique T. Zeida, im 3001; Internet: www.neuevisionen.de

 

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