Roadmovie mit Rollstuhlfahrern und pechschwarzem Humor
Die absurde Komödie "Aaltra" ist ein skurriles Vergnügen
Es gibt viele Roadmovies, aber ein Film mit Rollstuhlfahrern in den Hauptrollen ist eine echte Rarität. So ungewöhnlich wie die Konstellation ist auch der Humor in der französisch-belgischen Komödie "Aaltra": dunkelschwarz. Es geht um zwei Nachbarn - die Regisseure Benoît Delepine und Gustave de Kervern sind zugleich die Hauptdarsteller -, die sich gegenseitig nicht aufs Fell gucken können. Jeder beäugt den anderen mißtrauisch und versucht, ihm in die Suppe zu spucken. Es kommt zu einer Prügelei, bei der sie beide unter der Ladeklappe eines Treckeranhängers eingeklemmt werden. Im Krankenhaus wachen sie wieder auf - ausgerechnet in nebeneinander stehenden Betten. Beide sind querschnittsgelähmt.
Das bringt ihren gegenseitigen Haß zwar nicht zum Erliegen, aber ihre eingeschränkte Mobilität zähmt sie zunächst etwas. Dann werden sie sogar zu Gefährten, denn gemeinsam machen sie sich auf, um vom Hersteller des Anhängers Schadenersatz zu verlangen. Und diese Firma hat ihren Sitz in Finnland. Ein langer Weg also, auf dem die Männer viele skurrile Abenteuer bestehen und der auf einen Schlußgag hinausläuft, an dem der finnische Regisseur Aki Kaurismäki nicht ganz unbeteiligt ist.
In grobkörnigem Schwarzweiß gedreht, strotzt dieser kleine, eigenwillige Film vor absurden Szenen und vor politisch teilweise völlig inkorrektem Humor. Die Protagonisten scheitern kläglich mit grotesken Selbstmordversuchen, sie begegnen Menschen, die nicht so recht wissen, wie sie sich den Behinderten gegenüber verhalten sollen. Die Feindschaft der beiden Männer, notdürftig durch ihre Zweckgemeinschaft überdeckt, bricht immer wieder durch. Trotz einiger Längen ist dieser Film ein seltenes Vergnügen. Vor zwei Jahren war er beim Filmfest Hamburg zu sehen. Schön, daß "Aaltra" jetzt doch noch ins Kino kommt!
Aaltra F/B 2004, 92 Min., ab 12 J., R und D: Benoît Delepine, Gustave de Kervern, Aki Kaurismäki, im Abaton (OmU); www.aaltra.de



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