Der Fall des schönen Schutzengels
"Angel-A" von Luc Besson erzählt in spektakulären Bildern von einer Liebe, die unmöglich scheint
Andre (Jamel Debbouze) ist fertig. Er hat sich bislang durchs Leben gelogen und betrogen. Nun sitzen ihm seine Gläubiger im Nacken, und die sind ebenso gewaltbereit wie humorlos. Weil der kleine Marokkaner keinen Ausweg mehr weiß, stellt er sich auf eine Brücke und will springen. Aber er ist nicht allein. Ein paar Meter weiter steht eine langbeinige platinblonde Schönheit. Auch Angela (Rie Rasmussen) will sich in die Tiefe stürzen. Andre ist das gar nicht recht. "Kann man sich nicht mal in Ruhe umbringen?" mault er, und dann springt sie. Er hechtet hinterher. Gemeinsam bekommen sie wieder Boden unter die Füße. Wer wen gerettet hat, wird nicht ganz klar.
Fortan weicht Angela nicht mehr von Andres Seite. Sie redet auf ihn ein, und bringt ihn dazu, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Auf dem Weg dahin müssen ein Haufen brenzliger Situationen mit gefährlichen Typen überstanden werden. Andre, der Angelas Aufforderungen zunächst nur widerwillig folgt, muß staunend feststellen, daß die schöne Frau manchmal nahezu übersinnliche Kräfte zu entwickeln scheint. Er stellt sie deswegen zur Rede. "Ich bin vom Himmel gefallen", bekennt sie achselzuckend. "Ich habe Probleme, und eine Nutte kommt vom Himmel, um mir zu helfen?" staunt Andre ungläubig. In der Berufsbezeichnung hat er sich allerdings geirrt, denn die Frau mit den extrem kurzen Miniröcken ist sein Schutzengel. Nur fangen Engel und Beschützter allmählich an, sich wirklich zu mögen. Und spätestens von da an wird es kompliziert.
Sechs Jahre lang hat der französische Regisseur Luc Besson ("Das fünfte Element", "Nikita") keinen Film mehr inszeniert. Zumindest hat das öffentlich den Anschein, denn seit fast fünf Jahren bereitet er den aufwendigen Animationsfilm "Arthur und die Minimoys" vor, der im Herbst in die Kinos kommt. Um sich von diesem anstrengenden Projekt zu erholen, gönnte sich der einflußreiche Regisseur, Drehbuchautor und Produzent eine kreative Pause bei einem ungewöhnlichen Märchen.
Die Protagonisten sind typische Besson-Geschöpfe, im Zentrum steht wieder eine starke Frau, die einem schwächelnden Mann den richtigen Weg zeigt. Die Geschichte lebt von zahlreichen Gegensätzen wie auch hell-dunkel, groß-klein oder mutig-feige, die, so Besson, im Sinne von Yin und Yang letztlich Facetten eines Charakters sein sollen.
Aber die Geschichte ist vielleicht gar nicht so wichtig. Der Regisseur transportiert sie mit teilweise spektakulären schwarzweißen Bildern, die den Schauplatz Paris zu einem weiteren Hauptdarsteller machen. Dazu hat Anja Garbarek einen verträumt-versponnenen Soundtrack beigesteuert, die "Angel-A" zu einer nicht zu tiefgründigen und deshalb manchmal federleichten Fingerübung macht.
Angel-A Frankreich 2005, 91 Minuten ab 12 Jahren, R: Luc Besson, D: Jamel Debbouze, Rie Rasmussen, Gilbert Melki, Serge Riaboukine, ab 25.5. täglich im Holi.



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