Hormone ohne Grenzen - doch die Rettung naht auf Vinyl
"C.R.A.Z.Y." erzählt von der Pubertät
Die Jugend ist ein Jammertal, das nur übersteht, wer irgendwann die richtige Musik im Haus hat. Das wissen wir seit der Erfindung des Rock 'n' Roll. Die Irrungen und Wirrungen der Jugend in den 60er und 70er Jahren sind momentan ein Lieblingsthema auf der Leinwand. "Populärmusik aus Vittula" war nur der Anfang. Eine Art kanadische Variation versucht jetzt Regisseur Jean-Marc Vallee in "C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben". Leider sah die Jugend hier anscheinend nicht ganz so skurril aus, wie in der nördlichsten Enklave Schwedens.
Weihnachten 1960 quält sich Zachary in Quebec auf die Welt. Zierlich und schwach hätte er die ersten Tage um ein Haar nicht überlebt. Er wächst mit drei frechen Brüdern auf, genießt aber einen Sonderstatus als Augapfel von Mama und Papa. Dessen Lieblingssong, Charles Aznavours "Emmenez-moi au bout de la terre", wird zur Hymne seiner Kindheit. Die Pubertät setzt dem Familienidyll ein jähes Ende, und das liegt nicht nur an den langen Haaren und den engen Lederwesten des hübschen Zac, dessen Nöte Marc-Andre Grondin eindringlich transportiert. Die Hormone gehen mit ihm durch, nur wohin? Die sexuelle Orientierung bleibt rätselhaft. Mutter Laurianne (Danielle Proulx) resigniert, Vater Gervais (Michel Côte) zieht sich in die heile Liederwelt Patsy Clines zurück.
Eine erste Beziehung Zacs scheitert an immer neuen Gerüchten über eine verborgene Homosexualität. Doch auch für ihn naht die Rettung in Form von Vinyl: Pink Floyd, die Rolling Stones und vor allem der sexuell ebenso ambivalente David Bowie mit seiner "Space Oddity" stehen in der Not bereit.
C.R.A.Z.Y. liefert ein weitgehend unterhaltsames, zwischendurch langatmiges Kaleidoskop des Lebensgefühls der kanadischen Jugend in den 70er Jahren. Als die Heranwachsenden ihre Revolte noch mit heißen Öfen, schockierender Musik und noch schockierenderen Erfahrungen mit verbotenen Substanzen ausdrückten. Leider reicht die hervorgekehrte Nostalgie allein nicht für einen packenden Film.
C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben Kanada 2005, 127 Minuten, ab 12 J., R: Jean-Marc Vallee; D: Michel Côte, Marc-Andre Grondin, Danielle Proulx, Émile Vallee u.a., ab 25.5. täglich im Abaton, Zeise; Internet: http://concours.canoe.com/concours_crazy/index.html



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