Dienstag, 14. Februar 2012, 16:16

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kino

Letzte Flucht in eine imaginäre Welt

"Falscher Bekenner" ist eine beklemmende Studie über Einsamkeit

Die Realschule vorbei, das Leben noch vor sich: Doch Armin (Constantin von Jascheroff) weiß nicht, wie er es gestalten soll. Die Mutter (Victoria Trauttmansdorff) ist voller Sorge, der Vater (Manfred Zapatka) voller Hoffnung. Aber was ihren Sohn wirklich bewegt, wissen die Eltern nicht. Seiner Mutter zuliebe hackt Armin Bewerbungen in den Computer, gelegentliche Bewerbungsgespräche enden stets im Desaster. Der Grund: Armin ist nicht in der Lage, Auskunft über sich selbst zu geben. Und die Mädchen? "Wenn ich mir einen runterhole, denke ich an dich!" sagt der Junge der schönen Katja (Nora von Waldstätten). So klappt das natürlich nicht. Und dann beginnt er, sich in eine imaginäre Welt zu flüchten. Armin träumt von homoerotischen Abenteuern mit Mitgliedern einer Biker-Gang, die - in schwarzes Leder gehüllt, die Identität unter dem Helm verborgen - aussehen wie Astronauten. Eines Nachts beobachtet der Junge einen Autounfall mit Todesfolge. Er schreibt einen anonymen Brief an die Polizei und bezichtigt sich der Sabotage.

Der zweite Spielfilm von Christoph Hochhäusler ("Milchwald"), Mitherausgeber der Filmzeitschrift "Revolver", ist eine beklemmende, stringent inszenierte Studie der Einsamkeit, Sprachlosigkeit und Langeweile. Armin vermag sich weder "zu verkaufen" - wie sein pragmatisch angepaßter Bruder rät - noch eine Beziehung zu seiner engsten Umwelt herzustellen. Oder sie zu ihm. Constantin von Jascheroff verkörpert diesen Zwiespalt in einer Mischung aus Phlegma und Verweigerung, Anpassung und Rebellion. Lustlos bewegt er sich durch ein Niemandsland deutscher Tristesse: Öde Reihenhaus-Vororte, funktionale Autobahnauffahrten, trostlose Fast-Food-Restaurants und schmutzige Toilettenhäuschen scheinen jedes Leben zu ersticken. Trotzdem lockert Hochhäusler, der auch das Drehbuch schrieb, seinen Film immer wieder mit absurdem Humor auf - in den demütigenden Bewerbungsgesprächen, aber auch in selbstgefälligen Familientreffen.

"Falscher Bekenner" lief bereits im vergangenen Jahr beim Filmfest von Cannes und gilt den Franzosen seitdem als einer von mehreren Beweisen für die Renaissance des deutschen Kinos. "Nouvelle vague allemande" - klingt gar nicht mal schlecht.

Falscher Bekenner D. 2005, 90 Min., ab 12 J., R: Christoph Hochhäusler, D: Constantin von Jascheroff, Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorff, Nora von Waldstätten, täglich im Passage.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus