Starke Bilder von den Rändern der Gesellschaft
"Workingman's Death" ist eine faszinierende Dokumentation
Fünf Bilder zur Arbeit im 21. Jahrhundert" hat der österreichische Regisseur Michael Glawogger seinen Dokumentarfilm im Untertitel genannt. Es geht um körperliche Arbeit, wie sie zunehmend aus dem Blickfeld des Betrachters verschwunden und auch im fiktionalen Kino selten zu sehen ist. Glawogger, der im Dokumentarfilm ("Megacities") ebenso zu Hause ist wie im Spielfilm (sein "Slumming" wurde bei der Berlinale ausgezeichnet und soll im Herbst in die Kinos kommen), hat mit "Workingman's Death" einen dezidierten Kinofilm geschaffen - er verbreitet nicht Thesen, sondern vermittelt durch seine Bilder einen sehr sinnlichen Eindruck von physischer Anstrengung. Die ist auf den ersten Blick schon durch die Orte, an denen Glawogger sie einfängt, für den Betrachter weit entfernt, nämlich am Rand der hochindustrialisierten Gesellschaft.
Wir sehen: In der Ukraine arbeitslos gewordene Bergarbeiter, die in illegalen Minen (deren Gänge so schmal sind, daß sie sich nur kriechend hindurchbewegen können) karge Beute machen, in Indonesien Tagelöhner, die Schwefelablagerungen eines Vulkans auf ihren (mit bis zu 100 Kilogramm vollgepackten Kiepen) ins Tal hinuntertransportieren, in Nigeria einen riesigen Markt, wo Kühe und Ziegen geschlachtet, zerteilt und geröstet werden, in Pakistan, wie an einem Strand riesige Schiffe in ihre Einzelteile zerlegt werden, schließlich in China ein Stahlwerk, wo Arbeiter noch einmal jenes falsche Pathos beschwören, das die pseudokokumentarischen Filme auszeichnete, mit denen in der Sowjetunion in den 30er Jahren die "Helden der Arbeit" gefeiert wurden und mit denen Glawoggers Film begann.
Zwischen die Bilder der Arbeit hat Glawogger jeweils einen Mittelteil gesetzt, in dem die Arbeiter vor der Kamera so posieren, wie sie es selber wollten - "Helden" ist zwar nur das erste Kapitel des Films betitelt, aber in gewisser Hinsicht trifft diese Bezeichnung auch auf die Arbeiter in den andere Episoden zu: weil sie Arbeiten verrichten, die von der Büro- und Computerkultur unserer Gesellschaft meilenweit entfernt ist, aber zumindest teilweise doch deren (verdrängter) Bestandteil - wie die Verschrottung der Schiffe.
Davon gibt uns dieser Film einen sehr unmittelbaren Eindruck, der von den schrillen Klängen des Avantgardemusikers John Zorn akzentuiert wird, der immer wieder die Arbeitsgeräusche aufgreift - faszinierend.
Workingman's Death Deutschland/Österreich 2005, 122 Minuten, ab 12 Jahren, R: Michael Glawogger, Mo-Mi im 3001 (OmU).



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