Dienstag, 14. Februar 2012, 10:31

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Kino

Tür zu - und alles ist gut?

"Kein Science Fiction" spielt mit der Frage nach Verantwortung

Das klingt doch verführerisch: Immer wenn Sie eine Tür zwischen sich und anderen schließen, haben die sofort vergessen, was gerade geschehen ist. Da läßt sich beispielsweise ausgesprochen günstig einkaufen - und eventuelle Affären bleiben ohne kompliziertes Nachspiel. Im Zweifelsfall hat die Sache allerdings einen Haken, denn auch wenn Sie gern möchten, daß der oder die andere sich erinnert, löscht ein Türklappen alle Spuren aus.

Eine komplizierte Lage also, in die der frustrierte Unternehmer Jörg (Arved Birnbaum) und der zynisch-schneidige Motivationstrainer Marius (Jan Henrik Stahlberg aus "Muxmäuschenstill") geraten, nachdem sie nur kurz gemeinsam den Seminarraum verlassen haben. Eigentlich wollte Marius dem unterwürfigen Ossi beibringen, wie man einen Raum mit "Eroberer-Mentalität" betritt - nun sind beide in einer Art Raum-Zeit-Kontinuum gefangen. Ihre Wohnungen, Freunde, Familien - nichts existiert mehr. Und während Jörg völlig verstört mit dem Schicksal hadert und die Nacht auf einer harten Bank verbringt, nutzt Marius die Gelegenheit, um kostenlos in einem Luxushotel unterzukommen. Auch als die beiden fortan gemeinsam durch ihr Paralleluniversum ziehen, bleibt offensichtlich, wie unterschiedlich sie sind. Charmant, vorwitzig, letztlich skrupellos schleppt Marius an der Uni eine hübsche Studentin ab, derweil Jörg sich schüchtern in die junge Frau (Nicole Marischka) an der Hotel-Rezeption verliebt, die viel lieber Sängerin wäre.

Mit seinem Debüt "Kein Science Fiction" ist Regisseur Franz Müller, der auch das Drehbuch schrieb, eine melancholische Beziehungskomödie gelungen, die die absurde Ausgangslage geschickt nutzt, um unangestrengt Fragen zu Schein und Sein zu stellen. So verlockend es auch erscheinen mag, für seine Handlungen keine Verantwortung übernehmen zu müssen, spätestens wenn die Liebe ins Spiel kommt - das merkt irgendwann auch Marius - verlieren schnelle Autos, teure Anzüge und prickelnde One-Night-Stands massiv an Bedeutung.

Ein unbedingt sehenswerter Film, der Monate auf Eis lag, weil der ursprüngliche Titel "Science Fiction" vergeben war. Schön, daß er nun in Hamburg läuft.

Kein Science Fiction D 2003, 112 Min., ab 12 J., R: Franz Müller, D: Jan Henrik Stahlberg, Arved Birnbaum, Nicole Marischka, Sarah Meyer, Do bis Mo im Studio-Kino; www.keinsciencefiction.de

 

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