Zwischen allen Fronten
"Running Scared" von Wayne Kramer: mehr Fiebertraum als Film
Die Zeit, sie rennt davon: Filme, deren Protagonisten unter dem Druck stehen, innerhalb eines knapp bemessenen Zeitraums etwas zu bewerkstelligen, und die wissen, wenn ihnen das nicht gelingt, haben sie einen hohen Preis zu zahlen - diese Filme entfalten ihren eigenen Sog. Hier ist es Joey, ein kleiner Gangster in New Jersey, dessen Aufgabe es normalerweise ist, "heiße" Waffen verschwinden zu lassen. Mit so einem ihm anvertrauten Teil hat aber gerade der Nachbarjunge Oleg auf seinen brutalen Stiefvater geschossen. Und der ist verwandt mit dem Boss der örtlichen Russenmafia. Zwischen den eigenen Leuten, der Russenmafia und einem Polizisten, der sein eigenes Spiel spielt, muß Joey lavieren, alle hat er gegen sich. Und die Zeit sowieso. Im Lauf der Nacht wandert die Waffe durch verschiedene Hände, die Kontrahenten treffen aufeinander, Kreise schließen sich, die Auseinandersetzungen eskalieren.
"And now for something completely different" könnte man mit Monty Python zum zweiten Film von Wayne Kramer sagen. War "The Cooler - Alles auf Liebe" ein eher verhaltener Film mit einer originellen Figur im Zentrum, so ist "Running Scared" ein Adrenalinrausch, ein Fiebertraum, ebenso hysterisch wie gewalttätig. Wo in "The Cooler" der zuverlässige Nebendarsteller William H. Macy in einer Hauptrolle brillieren konnte, läuft hier Paul Walker, bisher eher ein schönes Gesicht und ein gutgebauter Körper, zu einer ähnlich intensiven Darstellung auf.
Und es ist bezeichnend für diesen Film, daß bei aller exzessiven Gewalt die beklemmendste Szene in dieser Hinsicht eine ist, die ganz aus dem Rahmen fällt: als Joeys Frau Teresa (Vera Farmiga) auf der Suche nach Oleg auf ein scheinbar gutsituiertes Ehepaar stößt, das in ihrer einladend hellen Wohnung Leichen im Schrank hat - was hier wörtlich zu nehmen ist.
Running Scared USA 2006, 122 Minuten, ab 16 Jahren, R: Wayne Kramer, D: Paul Walker, Vera Farmiga, Chazz Palminteri, täglich im UCI Smart-City, UFA-Palast; Infos im Internet: www.running-scared-der-film.de



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