"Ich mußte ab und zu ein kleines ,Holihodülü' oder ein ,Keckerkeckerkecker' einbringen"
Otto, Sids deutsche Stimme, über Ziegen, Faultiere und Kälber
ABENDBLATT: Wie kommt ein deutscher Komiker in einen amerikanischen Film über die Eiszeit?
OTTO WAALKES: Die Leute von der Twentieth Century Fox haben mich gefragt, ob ich Lust hätte, diesem Faultier etwas mehr Leben einzuhauchen. Es hat mir aber gut gefallen, und ich dachte, das könnte man durch etwas Otto-spezifischen Einfluß noch aufpeppen. Es war eine künstlerische Herausforderung, denn man sollte in dieser Figur ja nicht einfach nur Otto sehen, sondern ich mußte mit dem Wesen verschmelzen, wir mußten eins werden.
ABENDBLATT: Schöne Vorstellung! Gibt es zwischen Ihnen und Sid seelische oder körperliche Parallelen?
OTTO: Na ja, der birnenförmige Körper, das weiche, kuschelige Fell und die Ausgeglichenheit . . .
ABENDBLATT: Ausgeglichenheit? Sid ist doch ein Chaot. Und Sie?
OTTO: Ich bin auch so. Das behauptet zumindest meine Frau. Also habe ich gedacht: Dann paßt es ja, dann kann ich die Rolle annehmen.
ABENDBLATT: Sie haben doch bestimmt beim Drehbuch für die deutsche Fassung mitgemischt, oder?
OTTO: Den Freiraum mußte ich haben. Otto muß seinen Einfluß immer geltend machen können, sonst geht es nicht. Ich mußte ab und zu ein kleines "Holihodülü" oder ein "Keckerkeckerkecker" einbringen.
ABENDBLATT: Sind Manny, Sid und Diego eine Patchwork-Familie?
OTTO: Das macht ja gerade den Reiz aus: Man hat hier drei Individuen, die eigentlich nicht zusammenpassen, und doch sind sie eine Einheit. Der Einzelne und vermeintlich Schwächere kann trotzdem in der Gruppe stark sein. Das ist doch eine ganz gute Botschaft. Melancholie mischt sich mit Zukunftsangst, und doch wird es wieder ganz spaßig.
ABENDBLATT: Welche Tiere haben Sie sich früher im Zoo am liebsten angeguckt?
OTTO: Ich hab' die kleinen Ziegen immer gern gemocht. Die haben so schnell mit dem Schwanz gewedelt. Beim Bauern waren es eher die Kälber. Die haben immer am Finger gelutscht. Das fand ich so zutraulich und war das nicht gewohnt von zu Hause. Da mußte man noch selbst lutschen.
ABENDBLATT: Wer waren die Trickfilm-Helden Ihrer Kindheit?
OTTO: Tom & Jerry, Micky Maus und Goofy. Später kamen auch die Peanuts dazu. Aber auch neuere Filme wie "Das große Krabbeln" oder "Monster AG" sind toll.
ABENDBLATT: Hat sich der Humor der Deutschen verändert, seit Sie auf der Bühne stehen?
OTTO: Es gibt nicht mehr so viele Tabus wie früher. Man muß aufpassen, daß man nicht zu sehr unter der Gürtellinie arbeitet. Es gibt noch viele schöne andere Tabuzonen, die man sich selbst bilden kann. Der Humor ist insgesamt anspruchsvoller geworden. Mit gepflegten Sauereien anzukommen, das funktioniert nur noch eine kleine Zeit lang.
ABENDBLATT: Viele Komiker haben sich in tragischen Rollen versucht wie Jack Lemmon oder Roberto Benigni. Hätten Sie auch mal Lust?
OTTO: Ich weiß nicht, ob ich das kann. Angebote sind da. Ich sollte schon mal einen "Tatort"-Kommissar spielen, aber das würde bei mir wohl auf eine Mischung aus Columbo und Heinz Rühmann hinauslaufen.
ABENDBLATT: Wissen Sie schon, was Sie als Rentner machen?
OTTO: Ich möchte weitermachen. Es macht so viel Spaß. Auf der Bühne werde ich wohl eines Tages sterben. Ich weiß aber nicht, ob es dafür noch Tickets gibt. Auf meinem Grabstein wird stehen: "Werbefläche zu vermieten" oder "Ich habe doch gesagt, es geht mir nicht so gut".



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