"Ich habe vor Angst geschwitzt"
Felicity Huffmann über ihre Rolle in "Transamerica".
ABENDBLATT: Hatten Sie Bedenken, diese Rolle anzunehmen?
FELICITY HUFFMAN: Ja, viele! Ich dachte nicht, daß ich jemals im Leben als Mann durchgehen würde. Jeder weiß doch, daß ich unter meinem Rock einen Versace-Spitzen-Stringtanga trage.
ABENDBLATT: Wie hat Regisseur Duncan Tucker Sie rumgekriegt?
HUFFMAN: Duncan machte mir Mut: "Hör mal, wir machen hier nicht ,Crying Game 2', niemanden interessiert, was unter deinem Rock ist. Wichtig ist, was sich in deinem Herzen abspielt." Das gab mir das nötige Selbstvertrauen. Ich habe aber jeden Drehtag vor Angst geschwitzt.
ABENDBLATT: Daß Sie sich äußerlich verändern mußten, war klar. Wie schwierig war aber die mentale Veränderung?
HUFFMAN: Ich mußte erst mal seine/ihre innere Entwicklung verstehen. Anfangs verlor ich mich in dem Gedanken an eine Frau, die einen Mann spielt, der eine Frau sein will. Das aber ist nur ein Kuchen mit vielen Schichten. Dann wurde mir klar, daß diese Person gar nicht so anders ist als wir alle. Die meisten von uns zeigen nie alles, was sie in sich tragen. Ich kapierte, daß es ihr Ziel war, diejenige zu werden, die sie wirklich ist. Sie beginnt an einem Punkt totaler Selbstverachtung, etwas, das viele Menschen kennen. Ich begann von innen nach außen zu arbeiten. Natürlich traf ich mich mit vielen Transsexuellen. Ich las jedes Buch zu dem Thema, jede Autobiographie, die ich in die Finger bekommen konnte. Ich wurde von einer Frau gecoacht, die Männer coacht, die Frauen werden wollen.
ABENDBLATT: Wie haben Sie es vermieden, übertrieben feminin zu wirken?
HUFFMAN: Vieles war zum Glück vom Drehbuch vorgegeben. So war beschrieben, wie die verklemmte Tante, die immer alle zurechtweist. Sie hustet nicht, ohne sich vorher zu überlegen, wie das klingen wird. Und als ich kurz versuchte, sie femininer zu spielen, wirkte das wie Tony Curtis in "Manche mögen's heiß". Das war keine gute Idee (lacht)! Also spielte ich sie maskuliner. Und - wie mein Mann treffend beschrieb - wurde dabei zu John Lithgow in "Garp - und wie er die Welt sah!" Mir gelang die richtige Stimmlage. Und erst dadurch fand ich die Balance.
ABENDBLATT: Ihr Mann, William Macy, ist der Produzent. Wieviel Einfluß hatte er auf ihre Entscheidung, den Film zu machen? Angeblich hatten Sie das Angebot schon vor "Desperate Housewives".
HUFFMAN: Ja, der Film war schon in Vorproduktion, bevor ich die TV-Rolle bekam. Duncan Tucker hatte mich vor Jahren in einem kleinen Theaterstück auf einer Kellerbühne in New York gesehen. Duncan mußte nur noch sein erstgeborenes Kind dem Produzenten Harvey Weinstein versprechen, damit der sich den halbfertigen Film ansieht (lacht). Ihm gefiel die Story, und auf einmal hatten wir einen Verleiher.
ABENDBLATT: Wann wußten Sie, daß Sie Schauspielerin werden wollen?
HUFFMAN: Als ich erkannte, daß ich in Mathe und Physik die totale Niete bin! Ich bin eines von acht Kindern, verstand mich aber nicht mit meiner älteren Schwester, die uns babysitten sollte, während meine Mutter sich "Romeo und Julia" mit Olivia Hussey im Kino ansah. Schließlich mußte sie mich mitschleppen. Und das war's dann. Ich wollte Julia sein. Ich wollte mich verkleiden. Meine Berufswahl war klar.
ABENDBLATT: Einerseits spielen Sie in einem Independent-Movie mit, anderseits sind Sie Teil einer kommerziellen Fernsehserie. Wie vereinen Sie das?
HUFFMAN: Ich war mein Leben lang Charakterdarstellerin in kleinen Filmen, die nichts kosten und die kaum jemand kennt. Deshalb war ich in den ersten sechs Folgen von "Desperate Housewives" total schlecht. Ich fand das Ganze nicht künstlerisch genug und war überheblich. Mein Mann machte mir klar, daß ich da falsch liege. Ich kann jetzt ehrlich sagen, daß ich im siebten Himmel bin. Ich bin von meiner Rolle in der Fernsehshow begeistert. Und trotzdem kann ich Filme wie "Transamerica" drehen.



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