Dienstag, 14. Februar 2012, 08:58

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Kino

Stilvolle Bilder aus Deutschland - mit viel Sinn für das Skurrile

Märchenhafte, aber auch bitterböse Farce: "Durchfahrtsland" trifft ins Herz der Realität - und ist respektlos

Die Fingernägel pechschwarz lackiert, haut Sophia Rey in die Tastatur. In ihrer Phantasie bringt ein Arzt gerade seine Begleiterin um. Kurz vorher saß sie noch auf dem Beifahrersitz seines Porsche und kam sich ganz wunderbar vor. Jetzt hat sie ein Messer im Herzen und verliert auch noch ihren Kopf.

Zahlreiche Vorgebirgskrimis hat die ehemalige Sekretärin bereits geschrieben, mit sensiblen Titeln wie "Der Hackebeil-Mörder" oder "Kiffer, Klunker und Kaffeetanten". Immer wieder bricht darin das Böse von außerhalb in den Landstrich zwischen Köln und Bonn ein, in das "Durchfahrtsland", gleich an der Autobahn gelegen, in dem einzig die Regisseurin Alexandra Sell ausstieg. Eineinhalb Jahre lang hat sie dort vier Anwohner begleitet - und am Ende kann man fast verstehen, warum Sophia Rey Mordphantasien hat.

Der Pfarrer Hans Wilhelm Dümmer hat seine liebe Not, die seit Jahrhunderten verfeindeten Gemeinden vom Gebot der Nächstenliebe zu überzeugen. Der Soldat Guiseppe Scolaro ist besessen von seiner Vereinsmeierei, und der junge Mark Basinsky träumt davon, ein Modedesigner in Mailand zu sein. Zum Schulabschluß hat er für eine Reise nach Australien gespart. Dann ist er doch geblieben und hat das Geld in eine Stereoanlage investiert.

In einem etwas affektierten, aber scharf ironischem Ton kommentiert Alexandra Sell das Geschehen aus dem Off. Sie durchbricht die Dokumentarebene, überzieht die Bilder mit naiv-magischer Realität und verwandelt sie in eine bitterböse, märchenhafte Farce. Oft trifft sie dabei die Realität ins Herz, manchmal rutscht sie in die Respektlosigkeit ab.

Ihren ganz eigenen, bestechenden Stil aber haben die Bilder. Lakonisch und mit Sinn für Skurrilität zeigen sie einen Spielmannszug, der an Ölraffinerien vorbeizieht, seelenlose 60er-Jahre-Bauten, eine Brautschau vor Hochspannungsmasten, einsam wehende Fahnen und Paare, ordentlich aufgereiht vor ihrem Eigenheim.

Durchfahrtsland D 2005, 91 Min., ohne Altersbeschränkung, R: Alexandra Sell, ab 1.10. täglich im 3001; Infos im Internet unter www.realfictionfilme.de

 

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