Und der Haifisch, der hat Zähne
Mit einer Fülle von Fakten, Hintergründen und Interpreten versucht Autor und Regisseur Sven Düfer das Leben des Komponisten Kurt Weill in seiner gleichnamigen Dokumentation nachzuzeichnen
Man komme mir nicht mit der Nachwelt, heute schreibe ich für heute", sagte Kurt Weill, und Opernkenner Kurt Pahlen ergänzt: "Er wollte den Ton seiner Zeit treffen, und der war scharf, unsentimental, aggressiv bis frech, antiromantisch, kaltschnäuzig." Auch Menschen, die mit Oper nichts am Hut haben, kennen Weills Lieder: "Und der Haifisch" aus der "Dreigroschenoper" oder den "Moon Of Alabama" aus "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Autor und Regisseur Sven Düfer hat nun versucht, die Biografie Kurt Weills nachzuzeichnen. Dabei geht er, ein wenig nüchtern und einfallslos, aber mit einer Fülle an Fakten und Hintergründen, streng chronologisch und geradlinig vor: Geburt am 2. März 1900 in Dessau, Studium bei Komponist Ferruccio Busoni, Zusammenarbeit mit Brecht, zunächst Exil in Paris, dann in New York, wo er Broadway-Musicals komponierte. An die Hand nimmt uns dabei, quasi als Führer, der Weill-Kenner und Biograf Dr. Jürgen Schebera, dessen Autorität im Film nicht geklärt wird. Schebera hat die verschiedenen Wohnorte besucht und Weill-Interpreten eingeladen, mitzukommen. Darum räkelt sich Milva auf einem Flügel in dem Dessauer Haus, in dem Weill Musikunterricht gab. Das Willem Breuker Kollektief formiert sich auf der Wiese vor Weills Haus in Louveciennes (bei Paris) zu einer Orchester-Kolonne. Nicht nötig getan hätte Udo Lindenbergs hingerotzte Version vom "Haifisch", doch dafür entschädigt Blixa Bargelds sensible Interpretation des "Bilbao-Songs" zu einer instrumentalen Schellackaufnahme. Düfer spürt nicht nur den jüdischen Wurzeln, sondern auch dem Privatleben Weills nach, besonders der turbulenten Beziehung zu Lotte Lenya. Zweimal haben sie immerhin geheiratet. Kurt Weill stirbt viel zu früh, am 3. April 1950. Deutschland hat er nie wiedergesehen. Kurt Weill Deutschland 2001, 97 Minuten, ohne Altersbeschränkung, R: Sven Düfer, täglich im Zeise (am 18. 7., 20.00, in Anwesenheit von Regisseur Sven Düfer)



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