Sonntag, 27. Mai 2012, 08:37

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Kino

Fabelhafte Fundgrube der Filmgeschichte

"Charlie und die Schokoladenfabrik": Tim Burton hat Roald Dahls Kinderbuchklassiker verfilmt

Wie ein Schloß thront die graublaue Fabrik drohend über dem Ort. Hohe Schornsteine rauchen ohne Unterlaß, riesige Tore verwehren den Einlaß. Umgeben ist das Ungetüm von zahlreichen gleichförmigen Einfamilienhäusern, die an eine Bergbausiedlung erinnern. Schon im Vorspann hat uns der Film gezeigt, wie effizient die Schokolade angerührt, gegossen, zurechtgeschnitten, in Papier gewickelt, in Kisten verpackt, verladen und in alle Welt vertrieben wird. Die Schokoladenfabrik von Willy Wonka: Trutzburg und Ort der Sehnsucht zugleich.

Im Gegensatz dazu das windschiefe, zugige Häuschen, in dem der Charlie Bucket (Freddie Highmore) mit seinen Eltern (Helena Bonham Carter und Noah Taylor) und den Großeltern lebt. Charlie ist ein braver, bescheidener und etwas altkluger Bub. Wie alle Kinder liebt er Schokolade. Da erhält er die Chance seines Lebens. Willie Wonka (Johnny Depp) hat fünf "Golden Tickets" in seinen unzähligen Schokoladentafeln versteckt. Wer sie findet, darf mit einer Begleitperson Wonkas Imperium besichtigen - unter kundiger Führung des Chefs.

"Charlie und die Schokoladenfabrik" beruht auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Roald Dahl, das 1964 erschien und sich weltweit mehr als 13 Millionen Mal verkaufte. 1971 diente es bereits Mel Stuart als Vorlage für einen Kinofilm - mit Gene Wilder als Fabrikbesitzer. Hier ist es Johnny Depp, der Willy Wonka mit unvorteilhafter Prinz-Eisenherz-Frisur, blassem Teint und wechselnden Kostümierungen als verschrobenen Sonderling interpretiert. Die Fabrik-Tour dient Regisseur Tim Burton als Anlaß, ungehemmt seiner Fabulierlust nachzugeben. Dabei gibt es für Erwachsene und Filmkenner zahlreiche Verweise und Bezüge aus der Filmgeschichte zu entdecken, zum Beispiel an "Der Zauberer von Oz", die Musicals von Busby Berkeley oder "2001" und "Spartacus". Burton hat in einer Mischung aus gebauten Sets und computergenerierten Bildern eine künstliche Welt erschaffen, die so phantasievoll und eklektizistisch ist wie die seiner "Batman"-Filme - ohne aber deren Düsternis zu besitzen. So sind auch die letzten Worte des Films zu verstehen: "Life has never been sweeter."

  • Charlie und die Schokoladenfabrik USA/GB 2005, 105 Minuten,ohne Altersbeschränkung, R: Tim Burton, D: Johnny Depp, Freddie Highmore, David Kelly, Helena Bonham Carter, täglich im Blankeneser, Cinemaxx, Cinemaxx Harburg, Cinemaxx Wandsbek, Grindel (OF), Hansa-Studio, UCI Othmarschen-Park, UCI Mundsburg, UCI Smart-City, UFA-Palast; Infos im Internet unter www.charlie-derfilm.deMICHAEL RANZE

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