Dienstag, 14. Februar 2012, 19:59

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Kino

Ungeschnitten durch die Eremitage

Hamburg LIVE bringt den opulenten, in einem Stück gedrehten Film "Russian Ark" zurück in drei Hamburger Kinos

Für einen Schnitt muß es immer einen guten Grund geben", hat Stanley Kubrick einmal gesagt. Der russische Filmemacher Alexander Sokurow ("Moloch") hat sich diese Maxime so zu Herzen genommen, daß er das Schneiden seines Films "Russian Ark" gleich ganz gelassen hat. 96 Minuten ohne Schnitt, gedreht in einer einzigen kontinuierlichen, digitalen Sequenz.

Monatelange Vorbereitungen und Proben mit unzähligen Schauspielern, Tausenden Statisten und drei Orchestern. Und für die einmalige Aufnahme mußte die zwei Kilometer lange Strecke treppauf, treppab durch 35 Säle der Petersburger Eremitage in nur 26 Stunden ausgeleuchtet werden. Weshalb dieser Aufwand, diese Mühe? Wozu diese Rekordmeldung: längster "single take feature film" aller Zeiten? Schon lange vor der Premiere von "Russian Ark" 2002 in Cannes war Sokurows diffiziles Experiment, das nur mit Hilfe eines deutschen Kameramannes (Tilman Büttner) und einer Kölner Festplatte möglich war, in aller Munde. Daß über die Episoden mit Peter dem Großen oder Katharina II. weniger die Rede war, liegt zweifellos daran, daß viele Zuschauer einen Einführungskursus an der Volkshochschule bräuchten, um dem philosophischen Spaziergang durch die russische Geschichte inhaltlich folgen zu können.

"Russian Ark" will die Gebrochenheit der Zeit und die rätselhaften Lücken des geschnittenen Films in seine fließende Erzählung einbeziehen. Denn Geschichte ist nicht vergangen. Die Zeit läuft nicht auf einer linearen Achse ab. Ihre Dimensionen verschlingen sich in der Gegenwart. Und das Kino ist der Raum dieser Zeit. So ungefähr könnte man Sokurows One-Take-Wonder wohl beschreiben.

Russian Ark Russland/Deutschland 2002, 96 Minuten, ohne Altersbeschränkung, R: Alexander Sokurow, D: Sergej Dreiden, Maria Kuznecova, Leonid Mozgovoj, David Giorgobiani; Abaton: 12./13. 5., jeweils 17.00; 3001: 14./15. 5., jeweils 16.30; Zeise: 17. 5., 17.00, 18. 5., 22.30CHRISTIAN MELÜH

 

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