Dienstag, 14. Februar 2012, 13:47

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Kino

Idealisiertes Bild eines Vaters, der ein Hitler-Scherge war

Rekonstruktion einer Nazi-Biographie: "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß"

Natürlich bin ich kein Täterkind, ich sehe mich eher als Kind eines Opfers . . ." Manchmal stockt dem Zuschauer schon der Atem, wenn er diese Frau so reden hört. Barbara Ludin war zwölf Jahre alt, als ihr Vater 1947 als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde. Familiengeschichte als Zeitgeschichte, als Aufarbeitung einer großen Verdrängung. In der Literatur hat das derzeit Konjunktur, etwa in Büchern von Wibke Bruhns oder Niklas Frank, um nur einige zu nennen. In "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" rekonstruiert der Berliner Filmemacher Malte Ludin, Jahrgang 1942, die Biographie seines Vaters, mehr aber noch das idealisierte Bild, das seine Familie von ihm hatte.

Hanns E. Ludin war kein Mitläufer, auch kein Opportunist, vielmehr schon früh ein überzeugter Nationalsozialist. Dafür setzte er sogar seine militärische Karriere aufs Spiel, als er 1930 Kontakt zu Hitler suchte und dafür zu anderthalb Jahren Festungshaft verurteilt wurde. Danach wurde er in der SA aktiv, machte Karriere und war seit 1941 deutscher Gesandter in der Slowakei.

Malte Ludin sagt, er habe sich schon früh von der Familie abnabeln können und von daher einen anderen Blick auf den Vater entwickeln können, als es seinen Schwestern möglich war. Trotzdem ist sein Film nicht die große Abrechnung geworden von einem, der es besser weiß. Wenn er einmal von der Hoffnung spricht, "in den Akten etwas zu finden, was ihn entlastet hätte", dann wird auch der eigene Zwiespalt deutlich, die Suche nach einem liebenden Vater, der in seiner Funktion vielleicht auch einmal das Schlimmste verhindert hat und gar nicht wußte, daß die slowakischen Juden, deren Abtransport er anordnete, nicht zu Arbeitseinsätzen kamen, sondern ins Konzentrationslager.

"Solange sie lebte, hätte ich mich an diesen Film nicht gewagt", äußert Ludin über seine verstorbene Mutter, die sich ebenso weigerte, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, wie ihre Töchter noch heute. Ein Film, der vom Weiterleben der Vergangenheit handelt - insofern ein Gegenentwurf zu Werken wie "Der Untergang".

2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß Deutschland 2004, 89 Minuten, ab 12 Jahren, R: Malte Ludin, täglich außer Di im Abaton; Internet: www.2oder3dinge.deFRANK ARNOLD

 

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