Die Suche nach der großen Liebe
Michael Winterbottom hat mit "Code 46" einen pessimistischen Film über die Zukunft und die Liebe gedreht
In dieser Zukunft, die Michael Winterbottom entwirft, möchte man wirklich nicht leben. Die Millionenstädte sind streng bewacht und nur durch Checkpoints passierbar. Reisende erreichen nur mit sogenannten Pappelles, speziellen Reiseversicherungen, ihr Ziel. Die Städte trennen Wüsten und Gettos, in denen die Nicht-Bürger, jene ohne Papiere, leben. Wegen des Ozonlochs sind die Menschen nachts unterwegs. Selten einmal bekommt man das Tageslicht zu sehen. Auch die Frage des Nachwuchses ist streng geregelt: Fortpflanzen darf sich, wer gute Gene hat. Verstöße dagegen fallen unter den "Code 46" und werden bestraft.
Durch diese unmenschliche, unwirkliche Welt bewegt sich der Versicherungsagent William (Tim Robbins) wie eine Insel der Freundlichkeit. Von seiner Firma wird er von Seattle nach Shanghai geschickt, um einen Fall von gefälschten Pappelles zu prüfen. Schnell trifft er bei seinen Nachforschungen auf die schöne Betrügerin Maria (Samantha Morton). An ihrer Schuld gibt es keinen Zweifel: William bleibt auf Grund eines Wahrheitsvirus keine Lüge verborgen. Trotzdem verliebt sich der glücklich verheiratete Familienvater in die burschikose Frau. Er vertuscht ihre kriminellen Aktivitäten und beginnt eine heiße Affäre, die 24 Stunden dauert. Dann muß William wieder nach Hause. Doch Maria geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er will sie wiedersehen. Aber diesmal werden dem Agenten die nötigen Einreisepapiere verweigert . . .
Michael Winterbottom, erst kürzlich mit dem kontroversen "9 Songs" in unseren Kinos, hat einen faszinierenden Science-fiction-Film gedreht, der Motive aus Genreklassikern wie "Brave New World" und "1984", aber auch aus aktuellen Filmen wie "Vergiß mein nicht" vermengt. Die Liebe muß sich nicht nur gegen eine kalte Welt, sondern auch gegen das Vergessen behaupten. "Code 46" strotzt nur so vor Ideen und Vorstellungskraft, wie eine nicht allzu entfernte Zukunft aussehen könnte. Das Production Design strahlt jene Kühle und Sterilität aus, die die Menschen gefangen hält. Tim Robbins und Samantha Morton bewegen sich darin wie Scarlett Johansson und Bill Murray im Großstadtdschungel von Tokio ("Lost in Translation"). Zwei verlorene Paare, die nach der großen Liebe suchen.
Code 46 GB 2003, 93 Min., ab 12 J., R: Michael Winterbottom, D: Tim Robbins, Samantha Morton, Om Puri, täglich im Neuen Broadway, UCI Smart-City; Internet: www.mgm.com/ua/code46



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