Montag, 21. Mai 2012, 10:48

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Kino

"Bernie will stricken und nicht auf Entenjagd gehen"

Dustin Hoffmann über seine liberale Seite und die konservative Moral

ABENDBLATT: Mr. Hoffman, man hat das Gefühl, daß viel von Ihrer entspannten Lebenshaltung in die Rolle geflossen ist . . .

DUSTIN HOFFMAN: Ich fühle mich nie in einer Rolle wohl, wenn ich sie nicht verinnerlicht habe. Wir haben verschiedene Gesichter. Jeder hat seine paranoiden, mörderischen und liebenswürdigen Seiten.

ABENDBLATT: Und welche Seite hat Jay Roach in Ihnen gesehen?

HOFFMAN: Er sagte: "Ich möchte, daß man die ganze Zeit die sexuelle Anziehungskraft zwischen euch spürt." Barbra Streisand und ich sollten den komödiantischen Gegenpol zu Robert De Niros verklemmtem Schwiegervater bilden. Roach sagte: "Ihr seid die Kerry-Wähler. Die sind die Bush-Wähler. Ihr seid die Liberalen, die gerne Tabus brechen und ihrem Sexleben Ausdruck verleihen."

ABENDBLATT: Der Aufforderung sind Sie und Streisand offensichtlich mit Vergnügen nachgekommen . . .

HOFFMAN: Vieles stand so nicht im Skript. In der Drehbuchvorlage turnen die beiden ständig aufeinander herum. Vollkommener Quatsch! Ich bin mit meiner Frau seit 23 Jahren verheiratet, und es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht anfassen. Sex ist einer der poetischsten Aspekte unseres Lebens. Ich bin 67 und habe nie das Interesse daran verloren.

ABENDBLATT: Im Film scheint die Elterngeneration viel entspannter mit ihrer Sexualität umzugehen als die Söhne und Töchter.

HOFFMAN: Meine Generation hat in einem Zeitfenster gelebt, in dem die Gefahr der Syphilis gebannt war. Meine Kinder sind unter der Wolke der Aids-Bedrohung groß geworden. Wie das das Liebesleben verändert, kann unsere Generation nur erahnen.

ABENDBLATT: Sehen Sie Bernie Focker als vitalen Angriff gegen die "Moral-Majority" der Bush-Ära?

HOFFMAN: Der entscheidende Faktor im Wahlkampf war nicht die Wirtschaft, nicht der Krieg im Irak, sondern das, was die Konservativen "moralische Werte" nennen, etwa daß Homosexuelle nicht heiraten dürfen. Es ist einer der widerlichsten Aspekte der amerikanischen Gesellschaft, daß wir anderen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. Ein Mann wie Bernie Focker bricht die konservative Definition von Männlichkeit auf. Es macht ihm keine Angst, daß seine Frau das Geld nach Hause bringt und er sich um den Haushalt kümmert. Bernie will stricken und nicht auf Entenjagd gehen. Interview:MARTIN SCHWICKERT

 

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