Dienstag, 14. Februar 2012, 20:06

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Kino

Eine Woche lang Wein und Weib

Hinreißende Buddy-Komödie: "Sideways" von Alexander Payne

Der Junggesellenabschied, den Miles (Paul Giamatti) für seinen Freund Jack (Thomas Haden Church) geplant hat, soll anders aussehen als die stupiden Saufgelage oder die absurden Aufgaben, die Braut oder Bräutigam sonst so zu bewältigen haben. Eine Woche lang im idyllischen Santa Ynez Valley - mit Faulenzen, Golfspielen und ab und zu einer gepflegten Weinprobe auf den Gütern dieser kalifornischen Weingegend.

Schnell wird klar, daß die beiden Freunde unterschiedliche Auffassungen von Spaß und Genuß haben. Denn kaum sitzt er im Auto, entkorkt Miles schon eine sündhaft teure Flasche Champagner, um sie sich lauwarm und aus dem Plastikbecher hinter die Binde zu gießen. Aber das ist erst der Anfang einer ziemlich chaotischen Woche mit viel Sex, viel Alkohol und einem blauen Auge.

"Sideways" heißt die Buddy-Komödie, die Alexander Payne ("About Schmidt") über dieses ungleiche Paar gedreht hat. Innerhalb des schwierigen Genres der Komödie ist sie ein Meisterwerk und zu Recht für fünf Oscars nominiert worden. Regisseur Payne und sein Co-Autor Jim Taylor zeichnen ihre Charaktere sehr genau und haben mit Giamatti und Church zwei ideale Schauspieler dafür gefunden. Miles ist ein verhinderter Schriftsteller, der seine Unzulänglichkeiten (insbesondere Frauen gegenüber) durch Borniertheit zu übertünchen versucht. "Wenn einer Merlot bestellt, stehe ich sofort auf und gehe", ist noch eine der harmloseren Formulierungen, die ihm sein Dünkel eingibt.

Sein Kumpel Jack dagegen - ein Schauspieler, der schon lange keinen Film mehr gedreht hat und sein Geld mit Rollen in Werbespots verdient - gehört zu jener Sorte Mann, die ein Großteil ihres Gehirns zwischen den Beinen trägt. Wenn Jack nur eine Frau in der Ferne erblickt, bekommt er einen flackernden Blick und baggert sie an. Er landet schließlich bei Stephanie (Sandra Oh), die der Bräutigam in spe bei einer Weinprobe kennengelernt hat. Amor meint es auch gut mit Miles, denn die attraktive Kellnerin Maya (Virginia Madsen) schenkt ihm ihre Sympathien.

Allen vier Hauptpersonen ist die Suche nach ein bißchen Glück und Liebe gemeinsam. Das wirkt stimmig, weil auch sonst in "Sideways" alles authentisch ist: die Gespräche, die Annäherungen, die Interieurs in den Restaurants und Bars, in denen man sich trifft, sowie Stephanies etwas unordentliches Haus, in dem ein Dinner erst im Morgengrauen zu Ende geht. Als Maya und Stephanie allerdings herausbekommen, daß Jack Junggesellenabschied feiert und bloß kräftig die Sau rauslassen will, ist es mit dem Wohlwollen vorbei. Und Jack erfährt, wie hart ein Motorradhelm sein kann.

Bei "Sideways" hat man als Zuschauer immer das Gefühl, dicht dran zu sein am Leben und nicht in einer glamourösen oder blitzblanken Hollywood-Welt. Payne, der einen Universitätsabschluß in Geschichte und in Filmwissenschaften hat, interessiert sich für seine Figuren, er zeigt sie mit all ihren Fehlern, ihren kleinen und großen Unzulänglichkeiten, und das läßt sie wiederum sympathisch erscheinen. Aber er hat auch ein sicheres Gespür für komische Situationen, und davon gibt es in "Sideways" eine Menge. Das macht den Film zu einem wundervollen Kino-Spaß.

Sideways USA 2004, 124 Minuten, ab 6 Jahren, R: Alexander Payne, D: Paul Giamatti, Thomas Haden Church, Virginia Madsen, Sandra Oh, täglich im Abaton, Passage, Zeise; Internet: www.sideways-derfilm.deHEINRICH OEHMSEN

 

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