Dienstag, 14. Februar 2012, 15:36

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Kino

Ein Meisterwerk aus Liebe

Kunst im Kino: "Das Mädchen mit dem Perlenohrring"

Es gibt Bilder, in denen man sich verlieren kann. Die beim Betrachten ein seltsames Eigenleben entwickeln und zu sprechen scheinen. Für Bestseller-Autorin Tracy Chevalier trifft dies auf Vermeers "Mädchen mit dem Perlenohrring" zu. Ein vermutlich 1665 oder 1666 entstandenes Werk des niederländischen Meisters, das als Kunstdruck über ihrem Bett hing. So beeindruckt war Chevalier, dass sie einen Roman über die (fiktive) Entstehungsgeschichte des Bildes schrieb, der sich mehr als zwei Millionen Mal verkaufte.

Jetzt also kommt die Verfilmung in die Kinos, und natürlich stellt sich sofort die Frage, ob es Regisseur Peter Webber gelungen ist, die besondere Atmosphäre der Vorlage einzufangen. Doch tatsächlich: Nicht nur die Düsternis in den Gassen und Häusern von Delft ist mit Händen zu greifen, auch die Sehnsüchte und Ängste der Protagonisten offenbaren sich schon mit den ersten Bildern. Ein Verdienst nicht nur von Webber und seinen Szenenbildnern, sondern auch Konsequenz eines perfekten Castings. Mit Scarlett Johansson als Magd Griet und Colin Firth als Vermeer sind hier zwei Schauspieler zu erleben, die ihr Innenleben nicht durch ausgefeilte Dialoge, sondern vor allem körpersprachlich zum Ausdruck bringen. Da sagt ein Bild dann tatsächlich mehr als 1000 Worte, und nicht nur die Schönheit, auch die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Vor allem die zur Drehzeit erst 17-jährige Johansson spielt die ebenso scheue wie intelligente Magd mit einem Höchstmaß an Authentizität.

Buch und Film erzählen zugleich die Geschichte einer unmöglichen Liebe und der Entstehung eines Meisterwerks, des "Mädchens mit dem Perlenohrring". Da unbekannt ist, wer Vermeer damals Modell gesessen hat, ließ Tracy Chevalier ihrer Fantasie freien Lauf. Bei ihr kommt die Tochter eines armen Kachelbrenners ins Haus der Familie Vermeer. Sie ist die Einzige, die das Atelier des Meisters betreten darf, und sieht sich schon bald mit Misstrauen und Eifersucht konfrontiert. Vermeer indes entdeckt in ihr eine Seelenverwandte. Als sie ihm jedoch (heimlich) Modell sitzt und verdrängte Gefühle an die Oberfläche dringen, zerbricht durch äußeren Druck das fragile Beziehungsgeflecht.

Buch oder Film, diese Frage stellt sich beim "Mädchen mit dem Perlenohrring" nicht, denn beide Versionen bestehen für sich und lohnen gleichermaßen. Holger True

Das Mädchen mit dem Perlenohrring Großbritannien/Luxemburg 2003, 101 Minuten, ab 6 Jahren, R: Peter Webber, D: Scarlett Johansson, Colin Firth, Tom Wilkinson, Judy Parfitt, täglich im Abaton, Holi, Zeise; Infos im Internet: www.girlwithapearlearringmovie.com/

 

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