Von Fiktion und Wirklichkeit
"Stratosphere Girl" ist ein vielschichtiger Film übers Comiczeichnen
Mit ihren langen, blonden Haaren, ihrem gesenkten, gleichwohl hellwachen Blick, den schwerelosen Bewegungen und dem gleichförmigen Tonfall, mit dem sie ihre Geschichte erzählt, könnte man sie glatt für einen Engel halten.
Angela heißt darum das 18-jährige Mädchen aus Köln, das es nach dem Abitur nach Tokio verschlägt. Als Fan japanischer Mangas will es dort zeichnen lernen. Angela zieht zu drei anderen europäischen Mädchen in eine klitzekleine WG und arbeitet als Hostess in einem Nachtclub, um zahlungswilligen Japanern die Zeit zu vertreiben. Angela hat bei den Männern Erfolg. Darum wird sie von den anderen Hostessen beneidet. Als sie sich dann auch noch zu sehr für das Verschwinden eines russischen Mädchens interessiert, gerät sie ernsthaft in Gefahr. Derweil nimmt Angelas Comic Formen an - mit sich selbst in der Hauptrolle
Es sind mehrere Ebenen, auf denen M.X. Oberg ("Ein todsicheres Geschäft") seinen ungewöhnlichen Film erzählt, mithin über Fiktion und Wirklichkeit reflektiert. Auf die Krimihandlung kommt es dem Regisseur dabei gar nicht an. Er gibt "Stratosphere Girl" vielmehr eine traumähnliche Qualität, die trotz ihrer kühlen und strengen Inszenierung in den Bann zieht. Wenn Angela, von Chloe Winkel adäquat verkörpert, einsam durch das fremde, gleichwohl faszinierende Tokio treibt, erinnert sie an Scarlett Johannson in "Lost in Translation". Tokio - ein mythischer Ort, in dem man sich verlieren, aber auch selbst erfahren kann. Michael Ranze
Stratosphere Girl Deutschland 2003, 85 Min., ab 16 J., R: M. X. Oberg, D: Chloe Winkel, Rebecca Palmer, Tuva Novotny, Tara Elders, täglich im Abaton; Internet: www.rapideyemovies.de



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