Pastorin trifft Ex-Junkie
Der dänische Film "In deinen Händen" überzeugt mit Gefühl
Zum Abschluss der Olympischen Spiele kursierte ein etwas anderer Medaillenspiegel. Nicht die Menge des Edelmetalls zählte, sondern die Medaillenhäufung in Relation zur Einwohnerzahl des Landes. Und da lagen plötzlich die Bahamas auf Platz eins, während es die Großmacht China nur auf den 69. Rang brachte. Auf die Kinobranche übertragen nimmt Dänemark eine ähnlich überraschende Spitzenposition ein - dank eines Film-Outputs, der in Sachen Qualität seinesgleichen sucht. Drei Hand voll Schauspieler und Regisseure, die in wechselnden Kombinationen zusammenarbeiten, reichen, um - zwischen Esbjerg und Kopenhagen - Hollywood an der Kinokasse in die Schranken zu weisen. Jüngstes Beispiel: "In deinen Händen" von Annette K. Olesen ("Kleine Missgeschicke").
"Wir drehten eine ganze Serie von Feelgood-Movies, die so erfolgreich waren, dass wir uns allmählich fragten, ob wir je wieder andere Filme machen würden", erzählt Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson. "In deinen Händen" ist solch ein "anderer" Film. Kein Skurrilitätenkabinett, keine Lachnummer, stattdessen ein Film, der existenzielle Fragen aufwirft, indem er die Geschichte zweier ganz unterschiedlicher Frauen erzählt, die sich in einer Haftanstalt begegnen. Da ist Anna (Ann Eleonora Jærgensen aus "Italienisch für Anfänger"), eine Pastorin, die im Gefängnis ihre erste Stelle antritt, und da ist Kate (Trine Dyrholm aus "Das Fest"), ein Ex-Junkie, die ihr Baby im Drogenrausch verdursten ließ. Um Kate ranken sich merkwürdige Gerüchte, seit sie durch Handauflegen eine Heroinsüchtige clean werden ließ. Hat sie etwa übersinnliche Kräfte? Für Anna eine nur theoretische, aus der Distanz des Glaubens an Gott gestellte Frage - bis sie schwanger wird und erfährt, dass ihr Kind behindert zur Welt kommen könnte. Zunehmend verzweifelt, sucht sie schließlich Hilfe bei Kate, doch dann wird sie vom Wissen um deren grausige Vergangenheit überwältigt. Ein Strudel der Gefühle . . .
Um die Schilderung einer Grenzsituation sei es ihr gegangen, sagt Annette K. Olesen. "Wir wollten herausfinden, wann jemand so weit ist, dass er es wagt, sein Leben freiwillig in die Hand eines anderen zu legen." Mehr noch: "In deiner Hand" erzählt auch vom Widerstreit zwischen Glaube und Wissenschaft und vom Wunsch, zu kontrollieren, was sich nicht kontrollieren lässt. Kein Feelgood-Movie - aber ein Film mit viel Gefühl! Holger True
In deinen Händen DK 2003, 102 Min., ab 16 J., R: Annette K. Olesen, D: Ann Eleonora Jærgensen, Trine Dyrholm, Nikolaj Kopernikus, Sonja Richter, tägl. i. Blankeneser; Internet: www.concorde-film.de



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