Baseball und Jazz, jüdische Identität und New York, Psychoanalyse und Frauen
"Anything Else", eine Komödie, scheint das Resümee aller Woody-Allen-Filme zu sein
Auf eines ist Verlass: Jedes Jahr dreht Woody Allen einen Film und erfreut seine kleine, aber treue Zuseherschaft, vor allem in Europa. Dass seine vorletzte Komödie "Hollywood Ending" über einen blinden Regisseur nicht zu uns in die Kinos kam, ist wahrscheinlich nicht seine Schuld und bleibt hoffentlich die Ausnahme. Denn Woody Allen macht Spaß, mehr denn je. Und weil der Stadtneurotiker zwar immer noch ein Stadtneurotiker, mit 68 Jahren aber nicht mehr der Jüngste ist, hat er in Jason Biggs, der Jim Levinstein aus "American Pie", ein passendes Alter Ego gefunden.
Biggs spielt Jerry Falk, der in New York - wo sonst? - auf seinen Durchbruch als Schriftsteller hofft. Kein einfaches Unterfangen, zumal sein Agent Harvey (Danny DeVito) mit der Betreuung seines einzigen Klienten völlig überfordert ist. Dafür steht ein anderer Jerry mit Rat und Tat zur Seite: David Dobel (gespielt von Allen selbst), ein gealterter, hochneurotischer und natürlich jüdischer Komiker, dessen große Zeiten schon lange vorbei sind. "Trau nie einem nackten Busfahrer", ist noch eine seiner klügsten Bemerkungen. Seine Spaziergänge mit Jerry durch den Central Park interpunktieren den Film in regelmäßigen Abständen. Unterhaltsame Zwischenspiele mit saukomischen Dialogen.
Jerry ist verliebt - in die schöne, flatterhafte Amanda (Christina Ricci). Nicht nur, dass sie mit anderen Männern schläft - sie schleppt auch ihre Mutter Paula (Stockard Channing) mit in die gemeinsame Wohnung. Dobel erwartet derweil die Rückkehr der Nazis und rät zu sofortiger Bewaffnung. Trotz aller Neurosen: Am Ende ist er es, der Jerry von seiner Lebensangst befreien wird.
Allen-Enzyklopädiker werden hier alles entdecken, womit sich der Komiker seit mehr als 30 Jahren beschäftigt: New York, Psychoanalyse, Baseball, Jazz, das Leiden an der jüdischen Identität. Und natürlich an den Frauen.
"Anything Else" erscheint wie das Resümee aller Allen-Filme und steht doch gleichberechtigt neben ihnen. Eine gelungene Komödie um Liebesfreud und Liebesleid - witzig, selbstironisch und höchst eloquent.
Woody Allen braucht keine Kreativpause: "Melinda and Melinda" eröffnet bald das Filmfest von San Sebastian, ein weiterer Film ist bereits abgedreht. Auf Woody Allen ist Verlass. Michael Ranze
Anything Else USA 2003, 111 Min., ohne Altersbeschränkung, R: Woody Allen, D: Woody Allen, Jason Biggs, Christina Ricci, Danny DeVito, täglich im Abaton (OmU); Blankeneser, Passage; Internet: www.alamodefilm.de



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