Montag, 13. Februar 2012, 15:37

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Kino

Ernüchterung an der Costa Brava

In "Brombeerchen" gibt es richtige Bilder, aber falsche Worte

Läuft alles richtig in der Jugend, gibt es diesen seltsamen Punkt, an dem man schon fast erwachsen ist, aber zum Glück eben nur fast. Frei herum schwebt man zwischen den verschiedenen Lebenswegen, mit jeder Menge Flausen im Kopf, mit wirren Ideen, die einem vor allem sagen, dass man sich irgendwie nicht hineinpressen lassen möchte in die vorgegebenen Ideale. Dass man es einfach anders machen will als die erwachsenen Vorbilder. Eben besser, ehrlicher und gerechter. Dass man herumstrauchelt und nach sich selbst sucht, verloren, unentschlossen und voll jugendlichen Mutes.

Lilian (Mina Tandler) und Andre (Robert Stadlober) sind an diesem Punkt - und hauen erst mal ab, nach Spanien, an die Costa Brava. Im klapprigen Auto, mit dem passenden Soundtrack dazu, stranden sie dennoch in der Lustlosigkeit wie ein altes Ehepaar.

Lilian hängt ihren Soap-Opera-Träumen nach, Andre schwebt irgendwo zwischen Kriegsfantasien und "Zabriskie Point", ist dabei allzu oft bekifft, mal auf Speed oder einfach wortkarg.

Statt Erkenntnis finden die beiden erst einmal die Leere - und dann den Gauner Sylvester (Birol Ünel). Tage in der Villa seines angeblichen Auftraggebers folgen, Ecstacy-Fantasien, Grenzüberschreitungen, Machtspiele und Ernüchterung.

In somnambuler Schwüle findet der aus Zürich stammende Regisseur Oliver Rihs (33) oft die richtigen Bilder für die jugendliche Odyssee, aber selten die richtigen Worte. Schlau entwirft er einen Zustand, in dem das Leben dem Kino nacheifert, die eigene Realität von Filmbildern durchzogen ist und gleichzeitig von dem Wunsch nach etwas, das sich wirklich anfühlt - aber lässt den Anspruch an der Sprache zerschellen.

"Du bist auch nur ein Billigprodukt in diesem abgefuckten System", muss Stadlober sagen, "Ich möchte mal ein Märchen erfinden, das wahr ist und trotzdem vom Glück erzählt", legt der Regisseur seiner Darstellerin Mina Tander in den Mund - und viele scheinbar kunstvollen Plattitüden mehr. Damit liefert er seinen Film einer flachen Künstlichkeit aus, der auch das herrlich unprätentiöse Liebespaar nicht trotzen kann.

Brombeerchen Schweiz 2002, 91 Min., ab 16 Jahren, R: Oliver Rihs, D: Robert Stadlober, Mina Tander, Birol Ünel, Graham Roberts, Mara Vador, täglich im Abaton; Internet: www.brombeerchen.chSABINE DANEK

 

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