Doppelbödiger Trickfilm-Spaß aus Polen
Sprachlos, aber virtuos: Andrzej Czeczots Meisterstück "Eden"
Polen ist Trickfilmland, von "Lolek und Bolek" bis hin zum für den Oscar nominierten Film "Die Kathedrale" - und die Kunsthochschule Krakau ist die Wiege der Animateure. Auch der Maler Andrzej Czeczot gehört zu ihnen. 1973 drehte er seinen ersten, kurzen Trickfilm, der 2002 fertig gestellte Langfilm "Eden" ist sein Meisterstück. Sechs Jahre haben mehr als 50 Zeichner und Animateure daran gearbeitet, alles ist Handarbeit: Figuren, Engel, Heilige, berühmte Personen, und die kunterbunten Landschaften, durch die der Held Youzeck spaziert, fliegt und schwimmt. Ein schwarzweißes Männchen mit einer Flöte im Gepäck, dessen Weg durch Himmel und Hölle, den Garten Eden, durch die Weltmeere bis hin in das gelobte Land führt.
Ein doppelbödiger Spaß, dessen Ästhetik an surreale Hippie-Welten erinnert, politisch anspielungsreich und ein Streifzug durch Kunst und Kultur. Youzeck trifft Salvador Dali, ist dabei, wenn Chopin und Paganini musikalische Höhen erklimmen, wenn auf der "Titanic" getanzt wird, Charlie Parker jazzt, Elvis rockt, Engel und Heilige zu den Instrumenten greifen, wenn George Washington regiert und Napoleon, er begegnet Prometheus - und vielen seltsamen Gestalten und Tieren.
Der Film kommt ohne Sprache aus, setzt ganz auf virtuos gespielten Jazz und auf die wunderbaren Animationen. Weit entfernt von den computergenerierten Bildern Hollywoods hat "Eden" seine ganz eigenständige Ästhetik, die die Form der Parabel benutzt und dabei in der osteuropäischen Tradition verwurzelt ist. Und das, obwohl Regisseur Czeczot, der wegen seiner kritischen politischen Haltung 1977 interniert wurde, mehr als 15 Jahre im amerikanischen Exil lebte.
Eden Polen 2002, 75 Minuten, ab 12 Jahren, R: Andrzej Czeczot, täglich im 3001



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