Auf der Zielgerade nach unten
Eine Lebensgeschichte, kompromisslos erzählt: "Lilja-4-Ever" auf DVD
Lilja-4-Ever" - das klingt nach romantischer Liebeserklärung. Lilja selbst ritzt diese Worte in eine Parkbank; es sieht aus, als wolle die 16-Jährige es dem Schicksal, das mit ihr auf der Zielgerade nach unten ist, noch mal zeigen. Dabei sah die Zukunft vor kurzer Zeit noch rosig aus: Fortgehen wollte sie mit ihrer Mutter und deren neuem Freund, raus aus den tristen Hochhaussiedlungen am Rande der Großstadt und ab nach Amerika ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo alles leichter, schneller und freier ist. Als sie ihrer Freundin davon erzählte, staunte die und beneidete Lilja.
Der Abfahrtsmorgen: Die Mutter sagt Lilja, dass sie nicht mitkommen dürfe. Erst müsse drüben alles geklärt werden, man werde ihr schreiben. Aber irgendwie ahnt Lilja, dass sie niemals nach Amerika geholt wird, und so klammert sie sich schreiend wie ein Kleinkind an die Mutter, die sich nur mit Mühe befreien und in ein Taxi steigen kann.
Diese Szene aus "Lilja-4-Ever" ist die erste, bei der sich das Herz des Zuschauers zusammenkrampft, und es werden noch viele folgen. Nüchtern begleitet der schwedische Regisseur Lukas Moodysson ("Raus aus Amal") Liljas Werdegang, der vom Alleinsein und der Armut in die Prostitution und schließlich in den Tod führt. Seine Bilder vermeiden jedes Pathos, berühren vor allem durch eine unbarmherzige Schnittfolge und durch Großaufnahmen von Gesichtern. Kompromissloser und ergreifender ist eine solche Geschichte wohl noch nicht erzählt worden.
Lilja-4-Ever Schweden 2002, ab 12 Jahren, R: Lukas Moodysson, D: Oksana Akinshina, ab sofort als DVD im Handel



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