Dienstag, 14. Februar 2012, 16:58

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Kino

Ein Fall für den blinden Samurai

Takeshi Kitano erweist in "Zatoichi" einer Legende des Martial-Arts-Genres seine Reverenz und huldigt ihr respektvoll

r hört schneller, als seine Gegner sehen - und vor allem weiß er das Schwert zu führen wie sonst niemand: Zatoichi, der blinde Samurai. Seit 1962 der erste Kinofilm herauskam, ist der von seinen Gegnern stets unterschätzte Kampfkunst-Held eine feste Größe im Martial-Arts-Genre. Auf insgesamt 26 Spielfilme und 100 Fernsehfolgen hat er es gebracht; eine echte Legende also, der nun Takeshi Kitano als Regisseur und Hauptdarsteller seine Reverenz erweist.

"Zatoichi" beginnt irgendwo in der Einöde. Der Held, eigentlich ein wandernder Masseur, legt eine kurze Pause ein. Während er so dahockt, nähern sich üble Gestalten, die meinen, ein leichtes Opfer gefunden zu haben. Wie man sich doch täuschen kann . . .

Später trifft Zatoichi auf eine alte Witwe, die sich mehr schlecht als recht durchbringt und unter den Schutzgelderpressungen einer brutalen Bande leidet, die das ganze Dorf terrorisiert. Klare Sache: Auch das ein Fall für den Schwertkampfmeister. Nun hat er es allerdings nicht nur mit Dutzenden Möchtegernkillern zu tun, sondern auch mit einem herrenlosen Samurai, der von der Gegenseite als elegante Tötungsmaschine angeheuert wurde - da steht dem furiosen Endkampf bei dem spritzendes Blut und prasselnder Regen sich vermischen, nichts mehr im Wege.

Was klingt wie eines der üblichen Metzel-Epen ist in Wirklichkeit viel mehr. Kitano hat es geschafft, der Figur des Zatoichi und damit dem ganzen Genre einerseits respektvoll zu huldigen, andererseits transzendiert er aber auch das starre Regelwerk, sorgt für witzige Wendungen und hat überhaupt immer wieder brillante Einfälle zu bieten. Zum Beispiel wenn er den schweigsamen Rächer als souveränen Glücksspieler zeigt, der am Klang der fallenden Würfel erkennen kann, welche Zahlen sich unter dem Becher verbergen. Famos auch die Idee, dem blinden Helden zwischendurch - just for fun - Augäpfel aufzuschminken. Und die Schlussszene - ein furioser Massenstepptanz - ist so überwältigend choreographiert, dass man den Vorführer am liebsten zwingen würde, die Filmspule wieder und wieder zurückzudrehen. Für einen wie Zatoichi wäre derartige "Überzeugungsarbeit" gewiss ein Leichtes. Uns weniger Gewandten bleibt wohl nur, ein zweites, drittes und viertes Mal den Kinoeintritt zu zahlen - oder gleich in die aus Japan importierte Doppel-DVD zu investieren.

Zatoichi Japan 2003, 116 Minuten, ab 16 Jahren, R: Takeshi Kitano, D: Takeshi Kitano, Tadanobu Asano, täglich im Abaton, Passage; Internet: www.zatoichi.co.ukHOLGER TRUE

 

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