Leiden wie Zabel in Frankreich
Pepe Danquarts Doku sieht die Tour de France als "Höllentour"
Der Zuschauer vor Ort, genauer am Straßenrand, sieht meistens kaum etwas. Der Fernsehzuschauer meint, fast immer hautnah dabei zu sein. Ist er auch, wenn er sieht, wie 200 Rennfahrer in die Pedalen treten. 3400 Kilometer in drei Wochen, über Berge und Täler, in sengender Sonne, bei Kälte, Regen, manchmal sogar Schnee - die Tour de France ist längst zum Mythos geworden.
"Tour der Leiden" wird die große Schleife auch genannt. Pepe Danquart hat versucht, das zu dokumentieren - und es zu großen Etappen auch geschafft. Beim 100. Jubiläum im Juli 2003 hat der Regisseur, 1993 für seinen Kurzfilm "Schwarzfahrer" Oscar-prämiert, den aufwendigsten Film über die schwerste und längste Radrundfahrt der Welt gedreht. Aus 70 Stunden Material hat er (s)eine "Höllentour" entwickelt: spektakuläre Rennbilder, vor allem aber Innenansichten bis in den Mannschaftsbus des damaligen Teams Telekom.
Dank zweijähriger Vor- und Vertrauensarbeit kommt Danquart den Protagonisten und Zimmergenossen Erik Zabel und Rolf Aldag fast no nah wie Masseur und Teamfaktotum Dieter "Eule" Ruthenberg. Den populären Berliner Zabel und den westfälischen Edelhelfer Aldag begleitet Danquart mit der Kamera sogar bis ins Badezimmer. Die Bilder der erschöpften Profis sprechen für sich, ebenso ihre Aussagen, Ängste und Selbstzweifel bis hin zur Selbstironie: "Warum bin ich nicht Surfer geworden?", fragt Zabel. Statt eines Erzählers bedient sich Danquart, 2000 für seine Doku "Heimspiel" über die Eisbären Berlin mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, der musikalischen Begleitung des Top-Jazzmusikers Till Brönner.
Ein weiteres Plus: Die Stars Armstrong und Ullrich (damals beim Bianchi-Team), die die Tour 2003 mit ihrem Duell geprägt hatten, sind hier ausnahmsweise nur Statisten. Manko: Das Thema Doping wird nicht mal tangiert; Danquarts Bilder von den leidenden Helden lassen den Extremsport unschuldiger erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Doch wenn er das angepackt hätte, hätte er von den Tour-Bossen wohl kaum eine Drehgenehmigung bekommen.
Höllentour D 2004, 120 Min. o. A., R: Pepe Danquart, D: Erik Zabel, Rolf Aldag u. a., täglich im Passage; Infos im Internet: www.hoellen tour-derfilm.de



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