Dienstag, 14. Februar 2012, 19:58

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Kino

"Meine schwerste Arbeit"

Vladim Glowna über die Aufgabe, das Musik-Genie Bach zu spielen

ABENDBLATT: Herr Glowna, sind Sie musikalisch?

VADIM GLOWNA: Ich habe das absolute Gehör. Aber ich kann nicht singen und beherrsche auch kein Musikinstrument.

ABENDBLATT: Was bedeutet es, das Musik-Genie Bach zu spielen?

GLOWNA: Es ist eine historische Figur, an die man sich kaum herantraut, von der man nur das Bild eines finster blickenden Mannes und seiner Musik hat. Es war meine bislang schwerste Arbeit.

ABENDBLATT: Wie haben Sie sich sonst noch vorbereitet auf die Rolle?

GLOWNA: Es gibt ein paar wenig ergiebige Beschreibungen von Zeitgenossen. Wichtiger ist, zu erfahren, dass er einen Studenten mit dem Degen geprügelt hat. Er war ein cholerischer Mann. Er hat 20 Kinder gezeugt. Aber wenn 14 sterben, ist auch viel Trauer dabei. Auf Friedrich will er sich nicht einlassen. Aus Neugier läuft er in eine Falle. Er soll wie ein Tanzbär vorgeführt werden und aus fünf Tönen mal eben eine Fuge schreiben, und er tut es.

ABENDBLATT: Bach empfindet gegenüber seinen Söhnen ein persönliches Versagen. Warum?

GLOWNA: Das liegt an seinen Ansprüchen. Er erkennt das verschleuderte Genie von Friedemann. Carl Philipp Emmanuel ist der Musterschüler, hat aber nichts Genialisches. Wie sollen diese Söhne aus seinem Schatten heraustreten?

ABENDBLATT: Wie entwickelt sich der Generationenkonflikt zwischen Bach und Friedrich?

GLOWNA: Friedrich begreift, dass er zu weit gegangen ist. Und entwickelt Respekt und Vertrauen. Beide öffnen sich. Da hüpfen dann einfach zwei Erzmusiker herum. Am Schluss sind sie sich zu nahe gekommen.

ABENDBLATT: Wie war das Verhältnis zum Kollegen Jürgen Vogel, der den Friedrich spielt?

GLOWNA: Vom ersten Drehtag an haben wir uns die Bälle zugeworfen.

ABENDBLATT: Hatten Sie keine Angst, dass der Film ein Kostümschinken wird?

GLOWNA: Ich war sehr erleichtert, dass Studentinnen von Vivienne Westwood die Kostüme übernahmen. Sie zeigen die Zeit, das Schwitzen, den Regen.

ABENDBLATT: Es ist der Debütfilm von Regisseurin Dominique de Rivaz. Was hat Sie überzeugt, dabei mitzuwirken?

GLOWNA: Die Besessenheit, mit der sie ihre Ideen vortrug. Die Episode erzählt eine Menge über Bachs und Friedrichs Charakter. Der einsame Friedrich war immer bei seinen Soldaten im Feld, aber nachts hat er 120 Musikstücke geschrieben.Interview: ANNETTE STIEKELE

 

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