Wiegenlied für ein Kamel
"Die Geschichte vom weinenden Kamel" ist ein ungewöhnlicher und faszinierender Film
Schon der Titel macht neugierig: "Die Geschichte vom weinenden Kamel". Die Höckerträger treten ohnehin selten als Protagonisten auf der Leinwand in Erscheinung, und dass die Wüstenschiffe deprimiert sind, war bisher auch noch nicht bekannt. Der Film nimmt die Zuschauer mit in eine Gegend, in der nicht viele Filme gedreht werden, in den Süden der Mongolei, an den Rand der Wüste Gobi. Dort lebt eine Nomadengroßfamilie mit ihren Ziegen und Kamelen. Die Kamele sind trächtig, gebären ihre Jungen.
Nur ein Tier hält sich abseits. Es ist die erste Geburt für das Kamel. Sie wird schwierig und langwierig. Als es nach zwei Tagen ein weißes Kamelfohlen zur Welt bringt, nimmt das Kamel es nicht an und lässt es nicht trinken. Die Nomaden versuchen mit viel Geduld und einer Menge Tricks Mutter und Kind aneinander zu gewöhnen, aber nichts klappt. Also führen sie ein Ritual durch, für das man einen Musiker braucht. Die beiden Söhne der Familie werden in die Stadt geschickt. Sie machen sich auf diesen langen Ritt und bringen einen Musiker mit. Der Mann packt seine Pferdekopfgeige aus und spielt dem Kamel etwas vor. Und tatsächlich lässt sich das wilde Tier besänftigen.
Zwei Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film München haben diesen Film gedreht: die Mongolin Byambasuren Davaa und der Italiener Luigi Falorni. Sie haben eine Familie gefunden, die ihnen Einblicke in ihren Alltag gewährte, und der ist, neben der märchenhaften Geschichte um das Kamel mit den postnatalen Depressionen, die Attraktion dieses Films, der eine Mischung aus Fakten und Fiktion ist.
Das Leben in einer rauen Umgebung - ständig bläst ein heftiger Wind -, Liebe, Fürsorge, Aufzucht des Nachwuchses: Auf subtile Weise arbeiten die Filmemacher die Bedürfnisse des Zusammen- und Überlebens unter schwierigen Bedingungen heraus, und die sind bei Mensch und Tier gar nicht mal so verschieden. Dabei vermeiden sie mit sicherem Gespür die Gefahr, im Ethnokitsch zu versinken. Die Reise der beiden Jungen in die Stadt ist zugleich die Konfrontation traditioneller nomadischer Lebensweisen mit dem modernen Stadtleben. Und natürlich ist der kleine Junge sofort vom Zeichentrickfilm im Fernsehen begeistert und möchte auch so ein Gerät. Aber sein Großvater meint, dann würde er bald nur noch "gläserne Geschichten" sehen wollen.
Die ruhige Erzählweise und schöne Bilder ergänzen dieses ungewöhnliche Werk, das zugleich ein neues Genre eröffnet: den Kamelfilm. Kommen Sie in die Wüste Gobi!



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