Dienstag, 14. Februar 2012, 15:59

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Kino

"Komiker müssen sich was trauen"

Bill Murray über das Altern, Sofia Coppola und James-Bond-Filme

ABENDBLATT: Stimmt es, dass Sie lange darauf warten mussten, bis Ihnen Sofia Coppola die Rolle in "Lost in Translation" anbot?

BILL MURRAY: Und ob! Ich hörte immer nur davon, dass mir Sofia ein ganz tolle Rolle auf den Leib geschrieben hätte. Jeder erzählte es mir, nur Sofia hielt sich zurück. Als sie es schließlich doch noch schaffte, mich anzusprechen, sagte ich natürlich auch nicht gleich zu.

ABENDBLATT: Obwohl es eine Traumrolle ist?

MURRAY: Das kann man wohl sagen! Für so eine Rolle würde jeder Schauspieler sterben.

ABENDBLATT: Was ist für Sie das Besondere an diesem Film?

MURRAY: Dass ich endlich mehr zeigen durfte als in all meinen anderen Filmen. Klar habe ich in "Lost In Translation" auch meine lustigen Momente. Aber man erlebt mich auch in traurigen Szenen. Ich verliebe mich und muss trotzdem einen kühlen Kopf bewahren, um nichts zu überstürzen.

ABENDBLATT: In einer Szene liefern Sie sogar eine köstliche Bond-Parodie ab. . .

MURRAY: Ja, als ich vor der Kamera ein Whiskey-Glas in der Hand halte und Regieanweisungen auf Japanisch bekomme, die ich natürlich nicht verstehe. Ich verstand sie wirklich nicht, freute mich aber, mal wie Sean Connery lächeln zu dürfen. Natürlich habe ich mir die alten Filme angesehen, was nicht schwierig war. Denn in Amerika läuft in den Fernsehkanälen alle 25 Minuten ein Bond-Film. Die kommen und gehen wie U-Bahnzüge.

ABENDBLATT: Tragisch ist "Lost In Translation", weil der Film von einem alternden Filmstar handelt, der sich einsam und verlassen vorkommt. Konnten Sie das für sich nachvollziehen?

MURRAY: Einsam und verlassen habe ich mich nie gefühlt. Ich hatte auch nie Angst, in Vergessenheit zu geraten. Es gab immer etwas für mich zu tun, auch wenn ich nur Nebenrollen spielte. Aber die habe ich gern übernommen, weil es gute Geschichten waren. Das ist doch das Schöne, wenn man älter wird. Man macht nur noch das, was einem Spaß macht, und pfeift auf die großen Rollenangebote in mittelmäßigen Filmen. Wenn es mir nur darauf ankäme, so oft wie möglich auf der Leinwand zu sein, hätte ich die Gelegenheit dazu. Aber mit tollen Leuten zu arbeiten ist mir verdammt noch mal wichtiger.

ABENDBLATT: Hat es Sie jemals gestört, als Komiker bezeichnet zu werden?

MURRAY: Überhaupt nicht! Ich glaube, dass es schwieriger ist, Leute zum Lachen als zum Weinen zu bringen. Deshalb kriegt man doch nur selten gut strukturierte Komödien angeboten.

ABENDBLATT: Welcher Komiker bringt Sie zum Lachen?

MURRAY: Ich bin ein absoluter Fan von Buster Keaton, aber der ist schon lange tot. Von den neuen Typen kenne ich nur wenige. Ihre Filme interessieren mich einfach nicht. Der Einzige, den ich absolut komisch finde, ist Will Ferrell, der im Kino gerade als "Buddy - Der Weihnachtself" unterwegs ist. Ich habe ihn mal in einem Film als Gott erlebt und kriegte mich vor Lachen gar nicht mehr ein. Der traut sich was. So müssen Komiker sein!

Interview: MARKUS TSCHIEDERT

 

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