Spätweihnachtlicher Charme
Nach dem Roman von Dickens: "Nicholas Nickleby" unterhält
Charles Dickens geht immer, könnten sich die Produzenten von "Nicholas Nickleby" gedacht haben und setzten Regisseur Doug McGrath auf den 1839 veröffentlichten dritten Roman des britischen Autors an. Titelfigur Nicholas (Charlie Hunnam) gerät mit seiner Familie in eine prekäre Situation, nachdem sein Vater gestorben ist. Mittellos macht er sich mit Mutter und Schwester Kate (Romola Garai) auf den Weg nach London, wo er sich Hilfe von seinem Onkel Ralph (Christopher Plummer) erhofft. Aber der Bruder seines Vaters ist ein hartherziger und grausamer Spekulant, der sich nur mildtätig gibt. Kate möchte der alte Nickleby gern an seinen lustgreisen Geschäftsfreund Mulberry Hawk (Edward Fox) verscherbeln, aber sie wehrt sich hartnäckig gegen seine Annäherungen. Nicholas vermittelt er als Hilfslehrer an ein fieses Ehepaar (Jim Broadbent, Juliet Stevenson), das seinen "Bildungsauftrag" dazu nutzt, die Kinder zu quälen. Mit seinem neuen Freund, dem kranken Smike (Jamie Bell, bekannt als Hauptdarsteller aus "Billy Elliot") flieht er und landet beim Zirkus. In dieser skurrilen, aber herzlichen Atmosphäre finden sie menschliche Wärme, aber für Nicholas ist das nur eine Zwischenstation, die Reise ist nicht zu Ende.
Gut und Böse sind in "Nicholas Nickleby" klare Kontraste, wie es der Romanvorlage entspricht. Natürlich hat Regisseur McGrath den Stoff gestrafft, sonst wäre er an jene neuneinhalb Stunden herangekommen, in denen die Royal Shakespeare Company den Roman 1981 auf die Bühne brachte. Wie ein viktorianischer Held sieht Charlie Hunnam nicht gerade aus, er macht seine Sache aber doch ganz gut. Mehr überzeugt allerdings Romola Garai als seine Schwester Kate, während Jamie Bell enttäuscht. Die interessantesten Schauspielerleistungen findet man in Nebenrollen - Timothy Spall als großzügiger Charles Cheeryble, Barry Humphries (Dame Edna) als Mrs. Crummles. Die plüschigen Innenräume und ein dunkel-bedrohliches London zeigen, welchen Spaß die Ausstatter bei diesem Film gehabt haben, der den Charme eines gemütlichen Weihnachtsmehrteilers verströmt.



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