Wenn der Klon aufbegehrt
Rolf Schübels Film "Blueprint" mit Franka Potente reduziert sein Thema auf den Generationenkonflikt
Eine Frau durchstreift die Wildnis Kanadas und beobachtet die scheuen Wapitis, als sie vom Lärm eines herannahenden Autos gestört wird. Der Fahrer Greg (Hilmir Snaer Gudnason) spricht die Fremde an. Aber Siri (Franka Potente) will allein gelassen werden und weist ihn zurück. Er wird sie wenig später wiedersehen, in dem kleinen Hafen des Orts inmitten der Landschaft aus Seen und Wäldern. Wieder versucht er vergeblich mit ihr Kontakt aufzunehmen. Sein Ehrgeiz ist geweckt.
Wer diese Frau ist, erfährt man in Rückblenden. Die Pianistin Iris Sellin (Franka Potente) ist an Multipler Sklerose erkrankt. Um ihr Talent der Nachwelt zu erhalten schlägt sie dem Reproduktionswissenschaftler Martin Fischer (Ulrich Thomsen) einen faustischen Handel vor. Er soll aus ihrem Erbmaterial einen Klon basteln, obwohl das verboten ist. Im Gegenzug erhält er die Rechte an der Veröffentlichung der Ergebnisse. Allerdings bestimmt sie, wann das geschehen soll.
Tatsächlich bekommt Iris bald darauf ihre Tochter Siri. Sie ist gesund und hat das musikalische Talent von ihrer Mutter geerbt. Von ihrer Herkunft ahnt sie nichts. Iris lässt Siri zur Pianistin ausbilden. Fischer drängt auf eine Veröffentlichung, aber Siri weist ihn zurück. Da verkündet er das Ergebnis während einer Pressekonferenz.
Siri ist geschockt und fällt ins Koma. Nachdem sie daraus erwacht ist, ist das Verhältnis zu ihrer Mutter schwer gestört. Nach einem gemeinsamen Konzert mit ihr heftet sie sich eine Art Stern mit der Aufschrift "Klon" an ihr Kleid. Das Verhältmis zwischen Mutter und Tochter geht in die Brüche. Aber die todkranke Iris bittet Siri zurückzukommen.
In der nahen Zukunft spielt "Blueprint", Rolf Schübels Verfilmung von Charlotte Kerners Roman. Er greift darin die hoch aktuelle Problematik der Reproduktionsmedizin auf und spielt schon mal durch, was heute noch ein Tabu ist. Dabei problematisiert er die Skrupellosigkeit der Mutter und des Wissenschaftlers, wenn sie sagt: "Maus, Schaf oder Mensch, wo ist da der Unterschied! Nichts ist ohne Risiko, wir können die Zukunft schaffen! Sie und ich . . . die ersten, für immer!".
In dieser Hinsicht ist der Film ein wichtiger Denkanstoß und der lobenswerte Versuch, ein wichtiges Thema aus Labors und Ethikkommissionen in eine fiktive Lebenswirklichkeit einzubetten. Die Auswirkungen des Geklontseins ähneln dem ganz normalen Generationskonflikt einer narzisstischen übermotivierten Mutter und ihrer Tochter dann aber doch sehr. Siris Probleme mit der eigenen Identitätsfindung erreichen leider nicht jenen Tiefgang, den dieses Thema als sozialethisches Problem insgesamt darstellt.
Franka Potente schultert in diesem ruhigen Film eine schwierige Doppelrolle, kann aber eher als Tochter überzeugen, als Mutter bleibt sie merkwürdig hölzern.
Eine aktuelle Problematik mit einer Spielfilmhandlung einzufangen, das ist und bleibt schwierig. Nichts ist ohne Risiko, sagt Iris. Das stimmt.



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