Sonnabend, 26. Mai 2012, 03:46

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Kino

Leben hinterm Schutzwall

In Drei Stern Rot geht es um das Leben und Überleben in der DDR. Einige Pointen sitzen, aber insgesamt gerät der Film allzu plakativ

"Drei Stern Rot" hießen die Leuchtkugeln, die DDR-Grenzer abfeuerten, wenn jemand versuchte, über den "antifaschistischen Schutzwall" zu flüchten. Auch Drehbuchautor Holger Jancke hatte sie fast zwei Jahre lang im Gepäck. Als er, 19 Jahre alt, an der deutsch-deutschen Grenze bei Magdeburg begann zu patrouillieren. Für 545 Tage wurde er zu dem "Frontdienst im Frieden", wie die Staatsmacht die Mauerbewachung nannte, verdonnert. Raus bei Wind und Wetter, im Morgengrauen und in der Nacht, weg von der Familie, schikaniert von den Vorgesetzten und ausgestattet mit dem Schießbefehl. Ohne dass er und seine Kameraden sich während dieser Zeit immer wieder Filmszenen über ihr Grenzerleben ausdachten, hätten sie die Tortur nicht überstanden, schreibt Jancke - und hat die frühen Ideen schließlich in einem Drehbuch zu Ende gedacht. Schrill, grell und satirisch schildert er das Leben eines gewissen Christian Blank (Rainer Frank), dessen Kindheit im Indianerkostüm und mit West-Oma, seiner Stationierung im Niemandsland und dem Bruch mit seiner großen Liebe Jana (Meriam Abbas), die schließlich allein rübermacht, während Blank in der Grenzkaserne mit seinen Leidgenossen die Karten kloppt. Janckes Blick zurück birgt einige schmissige Pointen, vor allem, wenn seine Geschichte sich um die Absurdität der Grenzsituation dreht. Für feine Ironie aber fehlt ihm das Fingerspitzengefühl. Immer wieder wird Jancke plakativ, verheddert sich in einem Film im Film - und strandet in dem ein oder anderen Klischee.

  • Drei Stern Rot D 2002, 88 Min., ab 12 Jahren, R: Olaf Kaiser, D: Rainer Frank, Petra Kleinert, Meriam Abbas, Dietmar Mössmer, Henning Baum, täglich im 3001

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