Horror in der Wüste
Identität ist ein intelligent konstruierter und erstklassig gespielter Thriller - mit einem plausiblen Ende
Ein apokalyptisches Unwetter. Straßen überflutet, Stromleitungen gerissen, Handy-Netz überlastet. Das alles im Nirgendwo, genauer in der Wüste von Nevada. Und Las Vegas ist weit. Zehn Personen stranden in dieser Nacht in einem kleinen Motel, das von dem wenig freundlichen, etwas zwielichtigen Larry (John Hawkes) betrieben wird. In ihrem Horror-Thriller "Identität" benutzen Regisseur James Mangold ("Durchgeknallt") und Drehbuchautor Michael Cooney eine Reihe genretypischer Klischees wie das abgelegene, düstere Motel und das Prinzip der "zehn kleinen Negerlein", von denen nach und nach einer verschwindet. Die Nacht ist noch jung, als der erste abgetrennte Kopf in einer Waschmaschine trudelt. Und das ist erst der Anfang . . . So vorhersehbar "Identität" auch beginnt, um so überraschender sind die Haken, die Mangold und Cooney einschlagen. Denn kann sich nicht hinter jeder bürgerlichen Fassade ein blutrünstiges Monster verbergen? Ist George (John C. Ginley) wirklich ein harmloser Familienvater? Rhodes (Ray Liotta) ein anständiger Polizist? Und was steckt hinter Eds (John Cusack) Hilfsbereitschaft? Und was hat schließlich das Drama in der Wüste mit einer Nebenhandlung zu tun, in der der Serienkiller Malcolm Rivers (Pruitt Taylor Vince) kurz vor seiner Hinrichtung noch einmal mit seinem Psychiater (Alfred Molina) sprechen darf? Fragen über Fragen, die Mangold am Ende dieses intelligent konstruierten und erstklassig gespielten Thrillers plausibel auflöst. Bis dahin haben den Zuschauer die Nackenhaare jedoch schon so manches Mal zu Berge gestanden. HEINRICH OEHMSEN



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