Vom Erwachsenwerden
L.I.E. von Michael Cuesta ist das differenzierte Porträt eines Jungen in der Vorstadt von New York
Bereits vor zwei Jahren lief "L.I.E." beim Hamburger Filmfest, jetzt hat das Debüt von Regisseur Michael Cuesta endlich einen Verleih gefunden und kommt in die deutschen Kinos. Cuesta erzählt die Geschichte eines traurigen Jungen. Der 15-jährige Howie (Paul Franklin Dano) hat seine Mutter bei einem Autounfall auf dem Long Island Expressway verloren, jetzt streift er mit seinem Kumpel Gary (Billy Kay) und anderen Jungs durch die Vorstadt außerhalb New Yorks. Abends bricht die Clique in Häuser ein, nicht um sich zu bereichern, sondern mehr aus Spaß. Howie macht mit, weil er hier die Aufmerksamkeit findet, die ihm sein Vater nicht geben kann. Der vergnügt sich lieber mit seiner Geliebten. Ein paar krumme Geschäfte bringen ihn schließlich ins Gefängnis. Seitdem ist Howie völlig auf sich allein gestellt. Doch dann taucht "Big John" (Brian Cox) auf, ein älterer Mann, der sich um eine ganze Reihe von männlichen Teenagern kümmert. Howie erfährt, dass Gary eine homosexuelle Beziehung zu "Big John" hat und sich von ihm bezahlen ließ. "Big John" nimmt sich auch Howies an, als der Schwierigkeiten mit der Polizei bekommt. Sehr behutsam schildert Cuesta diesen Prozess des Erwachsenwerdens bei seiner Hauptfigur. Howie ist ein stiller Beobachter, dem sich ganz allmählich erschließt, welcher Art die sexuellen Beziehungen zwischen "Big John" und seinen jungen Freunden sind und der sich dennoch zu dem Mann hingezogen fühlt, weil er ihm Wärme gibt. Sehr differenziert agiert Brian Cox in der Rolle des Pädophilen. Auf der einen Seite sieht man seine Gier nach den Jungen, die seine Nähe suchen, auf der anderen Seite spürt man seine väterliche Fürsorge. Genau dieser Verzicht auf ein simples Schwarz-Weiß-Muster und die vielschichtige Charakterzeichnung macht die besondere Qualität dieses kleinen Filmes aus, an dessen Ende ein Junge einen großen Schritt in Richtung Erwachsensein getan hat. L.I.E. (Long Island Expressway) USA 2001, 97 Min., ab 16 J., R: Michael Cuesta, D: Paul Franklin Dano, Brian Cox, Billy Kay, Bruce Altman, täglich im Abaton.



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