Kraftprobe der Schwertkämpfer
Film der Woche: Hero von Zhang Yimou. Das überwältigende Martial-Arts-Opus eröffnet dem Genre neue Dimensionen
Fast schon waren die Markenzeichen des asiatischen Martial-Arts- Films zu Allgemeinplätzen geschrumpft: fliegende Menschen, Aufhebung der Schwerkraft. In seinem Film "Hero" hat der chinesische Filmemacher Zhang Yimou der ursprünglichen Virtuosität dieses Genres eine neue Dimension eröffnet. Die Geschichte führt zurück ins dritte Jahrhundert vor Christi. In China bekämpfen sich sieben Königreiche. Der König von Qin ist der grausamste Herrscher. So wie er danach trachtet, Kaiser von ganz China zu werden, trachten Attentäter nach seinem Leben. Wer sie besiegt, den will er mit Reichtum und Macht belohnen. Eines Tages taucht ein Fremder (Jet Li) bei Hofe auf. Er nennt sich Nameless und präsentiert dem König die Waffen der drei gefürchteten Schwertkämpfer Broken Sword (Tony Leung), Flying Snow (Maggie Cheung) und Sky (Donnie Yen). Der Fremde erzählt dem König seine Geschichte: wie er selbst die Kunst und die Philosophie des Schwertkampfes studierte, die drei herausforderte und tötete. Vor allem ist es die Kunst der Täuschung, die den überlegenen Schwertkämpfer auszeichnet. Das offenbart der Film in seinen Rückblenden, während sich der Unbekannte dem König auf zehn Schritte nähern darf. Auch als Erzähler sprengt Yimou mit "Hero" die eingefahrenen Muster des Genres. Visuell überwältigt er mit einer modernen, vom Kitsch befreiten Opulenz. In der poetischen Stilisierung verbinden sich die Disziplin des Schwertkampfes und die Kunst der Kalligraphie. Die Farben leuchten in einer ausgefeilten Dramaturgie, die Choreographie ist atemberaubend. Das trifft nicht nur auf die schwebenden Körper der Kämpfer, sondern auch auf die fliegenden Pfeile zu. Ein Schwertkämpfer kann kraft seiner spirituellen Überlegenheit ein ganzes Heer abwehren. Das ist die Moral von "Hero", denn es ist die Geschichte einer mentalen Kraftprobe zweier Männer, die sich in tödlicher Nähe unbewaffnet gegenüberstehen. Dennoch bleibt sie ambivalent, weil sich politische Realitäten für einen Filmemacher wie Zhang Yimou nicht so leicht überwinden lassen wie die Gesetze der Schwerkraft. GABRIELE MEIERDING Hero Hongkong/China 2001, 99 Min., ab 12 Jahren, R: Zhang Yimou, D: Jet Li, Tony Leung, Maggie Cheung, Chen Dao Ming, täglich im Abaton, Cinemaxx, Cinemaxx Wandsbek, Elbe, UCI Mundsburg, UCI Othmarschen-Park, UFA-Palast



100. Geburtstag
Axel Springer
Branchenbuch Hamburg



Das Rätsel des Tages




