Dienstag, 14. Februar 2012, 20:46

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Kino

Bilder aus dem Spiegelkabinett

Spike Jonzes Drama "Adaption" ist so kopflastig, wie man das von ihm erwartet - und wirklich unterhaltsam

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Das fragte sich schon der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick und schrieb ein Buch darüber. Dieselbe Frage stellt sich Charlie Kaufman (Nicolas Cage), der auch ein Buch schreiben will, ein Drehbuch. Aber Charlie hat eine kreative Krise und ist auch sonst leicht neben der Tasse. Der verfettete Autor, dem die Haare ausgehen, der unter Schweißausbrüchen leidet und Angst vor Menschen hat, hockt am liebsten in seiner Bude. Er nimmt den Auftrag an, ein Drehbuch für den Roman "Der Orchideendieb" zu schreiben. Aber er hat den horror vacui, die Angst vor den leeren Seiten. Da hilft es auch nicht, dass sein Zwillingsbruder, der temperamentvolle Donald (auch Nicolas Cage), ihm ständig mit idiotischen Ideen zu seinem eigenen Drehbuch auf die Nerven geht. Doch schließlich nimmt Charlies Arbeit langsam Gestalt an. Der Film im Film erzählt die Geschichte des Orchideendiebs John Laroche (Chris Cooper) und der Autorin Susan Orlean (Meryl Streep). Beim Versuch, ein Buch über ihn zu schreiben, verliebt sie sich in ihn. Aber so geradlinig geht das natürlich nicht. Zunächst sieht man mehrere mögliche Filmanfänge, und aus dem Off mault der vor Selbstmitleid strotzende Kaufman: "Ich habe mich selbst in mein Skript geschrieben. Ich bin pathetisch. Ich bin fett und pathetisch." Von da ab gehts rund. Tatsächlich tauchen beide Brüder in der Orchideen-Handlung auf, aber der Film springt auch immer wieder zurück zu Charlie, der nicht mehr weiter weiß, der der Produzentin (Tilda Swinton) nichts von seinen Problemen erzählt und schließlich sogar ein Seminar des Drehbuchgurus McKee (Brian Cox) besucht, um den Weg aus der Klemme zu finden. "Adaption" ist ein Film wie ein Spiegelkabinett, randvoll mit Themen, die manchmal nur angerissen werden, das aber intelligent und amüsant. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, das Verhältnis von Leben und Kunst, kleine Exkursionen in die Evolutionstheorie, die Ökologie Floridas und die Geschichte des Orchideensammelns inklusive. "Adaption" ist auch ein Metafilm, also ein Film über das Filmemachen, und deshalb eitel, narzisstisch und selbstvergessen - wie Charlie Kaufman. Den gibt es übrigens wirklich, und er hat auch das Drehbuch geschrieben. Nur sieht er nicht aus wie Cage, und sein Zwillingsbruder Donald existiert nicht (ist aber mit ihm für den Oscar nominiert), ist in Wahrheit nur sein Alter Ego. Um das Spiel mit der Illusion noch weiter zu treiben, gibt es auch den von Brian Cox gespielten Drehbuchautor und die von Streep verkörperte Romanautorin. Sie hatte sogar einen Gastauftritt, der aber gestrichen wurde. Die Verschachtelung hat zur Folge, dass der Film etwas kopflastig geworden ist. Aber das erwarten die Fans von Regisseur Spike Jonze ("Being John Malkovich") ja mittlerweile schon. Das Besessensein von der Besessenheit kann aber sehr unterhaltsam sein. Wirklich!

 

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